Zeno Danner und das Bus-Desaster

Meldung vom 09.02.2020
Da sitzt er im Gelb der neuen Busse des Landkreises und holt sich die närrischen Watschen beim Narrenspiegel der Singener Poppele ab: Zeno Danner (links), Landrat und Sündenbock für eine Politik, die er nicht wirklich zu verantworten hat. Bild: Sabine Tesche

Südkurier: Bei der Premiere des Singener Narrenspiegels erscheint Landrat Zeno Danner in der Bus-Farbe des Landkreises. Bis Aschermittwoch muss er sich vermutlich nicht mehr umziehen...

VON THORSTEN LUCHT

Landrat Zeno Danner sieht aus wie ein Bus. Bei der Premiere des Narrenspiegels der Poppele erscheint er am Freitagabend in Gelb und damit die Anspielung auch dem Letzten klar wird, verteilt er bereits vor der Schau im Foyer der Singener Stadthalle fingierte Bus-Billetts an die Besucher. Nun, in seinem Fall kann man schmunzeln. Denn erstens ist nicht er, sondern allenfalls sein Vorgänger für die politische Lachnummer des Winters verantwortlich zu machen, und zweitens dürfte Zeno Danner bewusst sein, dass sich kein Weiler, kein Dorf, keine Gemeinde und keine Stadt im Landkreis Konstanz die närrische Gelegenheit zum beißenden Spott über die Irrfahrten im öffentlichen Nahverkehr entgehen lassen wird.

Wie Stephan Glunk die Sonne aufgehen lässt

Unterm Hontes besorgt das Poppele-Chef Stephan Glunk höchstselbst und wie stets genügen ihm dazu minimalistische Mittel. Da steht er im einfachen Häs vor heruntergelassenem Purpur-Vorhang neben dem Narren-Fass, zupft auf der Klampfe die Melodie eines Udo-Jürgens-Ohrwurms und reimt das gründlich vergeigte BusDesaster in Hoffnung um, denn „immer, immer wieder geht die Sonne auf“. Das mit der Zuversicht mag dabei stimmen, für die Fastnacht 2020 unterdessen gilt, dass man besser genug Kleingeld fürs Taxi dabei hat...

Der Auftritt von Stephan Glunk markiert einen der Höhepunkte der Sketche des Abends, die sich als Schnellkurs zu lokalen Vorkommnissen zusammenfassen lassen. Das beginnt mit dem Prolog der Narreneltern (Ekke Halmer und Peter Kaufmann zusammen mit Christine Kaufmann), der allein durch seine Abseilnummer vom zerbröselnden Hohentwiel Bezug zu einem der Hauptereignisse des vergangenen Jahres nimmt.

Die Nebenschauplätze der Ortsteile sind danach die Themen einer Paddeltour von Babsi Lienhardt und Benedikt Sauter, während sich die Frisörinnen (Sandra und Silke Korhummel, Nicola Kania) sich eher beim allgemeinen gesellschaftlichen Gesprächsstoff wie Fridays for Future bedienen. Sehr schön dabei die Verneigung vor dem Singener Fastnachts-Urgestein Walter Fröhlich (Wafrö) mittels eines Zitats (“Agloge bisch erscht, wenn‘s glaubsch!“) oder sprachliche Irritationen am Telefon (“Was? S‘Häusle brennt? – Achso, der Häusler Bernd...“).

Davon leben auch die Sketche von Rüdiger Grundmüller und Ali Knoblauch (als „Fidele und Nazi“) sowie Angelika Berner-Assfalg und Elisabeth Paul (als „Die zwei Damen“). Das Männer-Duo lässt dabei beispielsweise die klimafreundliche Ausrichtung der Rathaus-Politik ins Närrische abgleiten, indem Denken als Arbeit und Arbeit als Energie definiert wird – womit ziemlich klar ist, welche Folgen die Energie-Einsparung im Rathaus zeitigt.

Auf ähnlichem Kurs bewegen sich die zwei Damen, wenn sie Thorsten Kalb als Chef für Sicherheit und Ordnung in Singen eine Rot-Grün-Schwäche attestieren: Der guten Mann wird öfters dabei ertappt, wie er mit dem Fahrrad rote Ampeln passiert. Das Besondere an den beiden Närrinnen allerdings ist, dass sie nicht wirklich auf Gags angewiesen sind. Allein die optische Verfremdung der stadtbekannten Darstellerinnen samt ihrer Mimik und Gestik genügen – schon biegt sich vor Lachen der Saal.

Grandioses Schauspiel der Turner

Dabei öffnen sich für gewöhnlich die Münder, was sie am Freitagabend auch beim Auftritt des Turnvereins (Leitung: Tim Leitenmair) tun. Nicht, weil die Akrobatik ein Brüller wäre – den Zuschauern fällt eher aus Gründen der Bewunderung die Kinnlade nach unten. Was wird nicht allenthalben die Werbetrommel für den Besuch der Wettbewerbe der in der Bundesliga turnenden Sportler gerührt, doch das alles ist nichts gegen das Erlebnis der scheinbar die Schwerkraft außer Kraft setzenden Truppe. Sie dürfte sich mit ihrer Premiere ein Dauer-Abo für den Narrenspiegel erobert haben. Längst eine feste Größe sind die „Dramatischen Vier“ (Stefan Fehrenbach, Günther Haupka, Peter Hug, Uwe Seeberger und Helmut Thau), die in Wirklichkeit zu fünft sind und ihre gesangliche Meisterschaft mit albernen Varianten rund um die Kuh (Kuwait, Ku-ba oder Kur-rona) verknüpfen und die Forderung nach einer Zugabe bravourös zu lösen wissen.

Jugend auf der Bühne, Alter im Saal

Aus der Not eine Tugend macht dagegen der Poppelechor (Leitung: Lothar Halmer). Wirklich gut im Singen ist da kaum einer, aber gerade der schräge Ton sorgt in diesem Fall für den Witz. Bei den optischen und akustischen Reizen des Abends durch die Bühnenbilder von Gero Hellmuth, den Fanfarenzug (Leitung: Rosario Cenamo), die Mini-Tanzgruppe (Kim Georg), die Kindertanzgruppe (Elsbeth und Nelson Luzio), die Tanzgruppe Inge (Inge Kaufmann) und die originelle Karaoke-Nummer gibt es nur ein Bedauern: Sie tragen am Freitagabend gewaltig zur Senkung des Altersdurchschnitt im Saal bei und hätten durchaus ein paar jüngere Zuschauer verdient.

Narrenschelte

Die Fastnacht folgt festen Regeln. Dazu zählt neben dem Auftritt der PoppeleNarrenfigur (wie immer grauslig-schön: Timo Heckel) und der Aufgeschlossenheit gegenüber Fremden (einmal mehr zuständig für Tusch und Schunkelrunde: die „Aussteiger“ aus Gottmadingen) auch die Narrenschelte. Den Grenzgang zwischen Witz und Ernst übernimmt in Singen Simon Götz und er nutzte seine Schelte diesmal für ein Plädoyer zugunsten des freien Worts: „Genießt die Freiheit in unseren Tagen, seid froh, dass wir Narren- und Kunstfreiheit haben!“ Für sein Bekenntnis zur Demokratie gab‘s Tusch und Beifall.

Quelle: Südkurier


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