Trotz Pandemie sogar schwarze Zahlen: Volksbühne hat weniger Mitglieder, aber viel Zuversicht

Mit Angelika Berner-Assfalg (Mitte) an der Spitze wünscht sich der Vorstand des Vereins Volksbühne nach der Corona-Pandemie wieder mehr Mitglieder. Unser Bild zeigt von rechts: Stephan Glunk, Walter Möll, Gerhard Bumiller, Matthias Denzel und Roland Frank von der KTS, die die Stadthalle für die Aufführungen zur Verfügung stellt. | Bild: Trautmann, Gudrun

VON: GUDRUN TRAUTMANN

Singen – Dieser Optimismus ist einfach ansteckend: Wenn Angelika Berner-Assfalg die Mitglieder zur Jahreshauptversammlung des Volksbühne-Vereins einlädt, kommt Farbe in den Seminarraum der Stadthalle. Schade nur, dass die meisten Abonnenten gar nicht wissen, dass sie mit ihrem Abo auch Vereinsmitglieder sind. So versammelt sich zur Vereinsbilanz und zum Ausblick nur eine kleine Anzahl Interessierter, während sich die Mehrzahl im Foyer auf die Vorstellung der „Feuerzangenbowle“ freut. Passend zum Thema hat der Verein zusammen mit der Kultur-Tourismus-Singen vor dem Eingang einen kleinen Pavillon aufgebaut, wo sich die Theaterbesucher mit einem Glas Punsch auf den Abend einstimmen können.

Nebenan zieht Angelika Berner-Assfalg mit ihren Vorstandskollegen Stephan Glunk (zweiter Vorsitzender), Matthias Denzel (Kassier) und den Beisitzern Walter Möll und Gerhard Bumiller Bilanz. Dabei kommt der Verein zu einem kuriosen Ergebnis: Obwohl die vergangene Theatersaison noch massiv unter der Corona-Pandemie gelitten hat, schreibt die Singener Volksbühne nicht nur schwarze Zahlen; sie steht finanziell sogar besser da als jemals zuvor. Das ist ein Kuriosum.

Die Vorsitzende skizziert die Lage. „Wie alle Kulturschaffenden hat uns Corona bei den Veranstaltungen hart getroffen“, sagt sie. „Es waren ungewisse, schwere Jahre für die, die auf der Bühne stehen.“ Die Zeit sei geprägt gewesen von Absagen und verschobenen Terminen. Nicht immer sei es möglich gewesen, wie bei der „Feuerzangenbowle“ einen Ausweichtermin zu finden. In der Saison 2021/2022 konnten von sechs geplanten Aufführungen nur zwei stattfinden. Eine Veranstaltung musste abgesagt werden, weil die Stadthalle noch Impfzentrum war.

Während der Pandemie sei auch die Zahl der Besucher stark zurückgegangen. So sahen am 6. März nur 273 Zuschauer das amüsante Stück „Miss Daisy und ihr Chauffeur“ mit Doris Kunstmann und Ron Williams über die Differenzen zwischen Ober- und Unterschicht. „Das war enttäuschend für so ein tolles Stück“, sagt Angelika Berner-Assfalg. Abstand, Maskenpflicht, Verunsicherung der Abonnenten: All das habe auch dazu geführt, dass der Verein durch Corona rund 50 Mitglieder verloren hat. „Das wollen wir nicht mehr“, gibt sich die Vorsitzende optimistisch für die Zukunft. Der Verein will sich jetzt gezielt auf die Suche nach neuen Mitgliedern machen. Das günstige Abo spreche für sich, so Berner-Assfalg. Für drei Veranstaltungen inklusive Vereinsgebühr zahlen Mitglieder 60 Euro.

Kassier Matthias Denzel erklärt, wie der Verein in der vergangenen Spielzeit trotz der Veranstaltungsausfälle mit einem finanziellen Plus abschließen konnte: „Wir haben für die Ausfälle eine Erstattung aus dem Bundesprogramm Neustart Kultur bekommen. Außerdem hat die Stadt ihren Zuschuss in Höhe von 15.000 Euro nicht ausgesetzt.“ Weil der Verein aber keine Rücklagen bilden darf, werde das finanzielle Plus für neue Stücke in der kommenden Theatersaison ausgegeben.

Unter der Leitung von Roland Frank (Chef von Kultur & Tagung Singen) wurde der Vorstand einstimmig entlastet. Er verglich die Situation des Vereins mit der der Stadthalle. Auch dort fielen zuletzt zahlreiche Veranstaltungen aus. Dennoch sei die Stadthalle gut durch die Pandemie gekommen. Frank spricht von einer Sondersituation.

Verein hofft auf mehr Publikum

Mit kleinen Änderungen in der neuen Spielzeit will der Verein mehr Publikum in die Stadthalle locken. So habe man das Weihnachtsmärchen diesmal an einem Sonntagnachmittag für Kinder ab vier Jahren gezeigt. Eine Gelegenheit für Familien oder Großeltern, die ihren Enkeln ein Theatererlebnis gönnen wollen. Das Angebot wurde sehr gut angenommen. Bisher kamen Schulklassen mit Bussen aus der Umgebung zum Wintermärchen. Für Erwachsene gibt es in dieser Saison noch zwei Veranstaltungen. Doch auch für die kommende Spielzeit steht das Programm bereits fest. Das Publikum darf sich auf temporeiche Komödien und Pantomime freuen. „Wir hoffen, dass wir wieder eine ganz normale Spielzeit haben werden und sich die Leute wieder ins Theater trauen“, wünscht sich Angelika Berner-Assfalg.

 

Das kommt noch

26. Februar: Concerto Scherzetto 2, Klassik und Comedy, bereits bekannt von einem Gastspiel 2019

18. April: Der Hexenschuss oder Der Bandscheibenvorfall, Boulevardstück von John Graham

4. Oktober: Hokuspokus mit der Familie Flöz, Pantomime

12. November: Das perfekte Geheimnis. Drei Paare und eine Einzelperson lesen sich auf dem Handy eingehende Nachrichten vor

Weihnachtszeit: Als Weihnachtsmärchen wird diesmal „Des Kaisers neue Kleider“ gespielt.

Quelle: SÜDKURIER


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