Nach vier Jahren wieder ein Burgfest

Meldung vom 19.07.2022
Foto: Gudrun Trautmann

VON GUDRUN TRAUTMANN

Eine Burg erwacht aus dem Dornröschenschlaf. Vier Jahre sind vergangen seit dem letzten Fest auf dem Singener Hausberg. Doch die Wiedererweckung haben viele Singener verschlafen. Dabei hatte das Programm jede Menge Unterhaltung zu bieten. Lag es an der Hitze, an der veränderten Veranstaltungsfläche oder an der Corona-Zurückhaltung? Die Besucherzahlen blieben jedenfalls mit nur 4000 hinter den Erwartungen zurück, wie Roland Frank für die Festleitung bedauert. Zwar herrschte ein ständiges Kommen und Gehen; so eng wie bei früheren Burgfesten ging es diesmal jedoch nie zu.

Des Veranstalters Leid ist des Besuchers Freud: Wer es bis nach oben geschafft hatte, der wurde mit einem bunten Programm aus Musik, Kleinkunst und Kabarett belohnt. Und mit den heiß begehrten kulinarischen Spezialitäten der ausländischen Vereine. Einige Besucher kommen Jahr für Jahr nur deshalb auf den Hohentwiel. Allerdings wurden die Speisen zum Bedauern einiger Gäste diesmal nicht auf dem Paradeplatz im oberen Festungsbereich serviert, sondern auf der unteren Festung. Kurz vor dem Burgfest forderte die überraschende Nachricht, dass die Holzbrücken den enormen Lasten für den Transport von Garküchen, Lebensmitteln und Tischen und Bänken nicht mehr gewachsen sind, eine logistische Umplanung.

Das Ergebnis war eine Konzentration aller Programmteile auf der Karlsbastion und unteren Festung. Das hatte durchaus auch Vorteile. Mit viel Kreativität wurden ganz neue Veranstaltungsorte erschlossen. Der Kinderkeller und das Theatergewölbe lagen plötzlich unter freiem Himmel. Der Kirchplatz, wo Jongleure und Gaukler ihr Publikum verzauberten, wurde ebenfalls nach unten verlegt, mit gewaltiger Kulisse. Für die Besucher war der Weg nach ganz oben frei. Wer aber das Programm genießen wollte, der profitierte von den kurzen Wegen.

Schon am Morgen empfängt das städtische Blasorchester auf der großen Bühne der Karlsbastion die Besucher mit dem Abba-Hit „Waterloo“. Der Rhythmus geht gleich ins Blut. Ein leichter Wind weht und lässt die Hitze erträglich erscheinen. Auf der großen Bühne soll später noch die Big Band 2.0 Arrangements von Swing bis Rock spielen. „Hey Burner“ passt zur Mittagshitze. Jetzt haben es die 18 Musiker aus dem Hegau-Bodensee-Raum nicht leicht. Das Publikum bevorzugt den Schatten.

Auf der unteren Festung gibt Nicole Scholz mit ihrer Band aus Steißlingen alles, um ihr Publikum mit gecoverten Songs von Amy Winehouse oder Zaz zum Tanzen zu bringen. Immerhin gibt es hier noch Schatten und nebenan gleich die duftenden Gambas und Sardinen, Ochsenfetzen oder Cevapcici. Nebenan spielt der Poppele-Fanfarenzug bei den Muetterspröchlern und die Jugendfeuerwehr serviert Kuchen.

Ein paar Schritte weiter ist man schon im Theatergewölbe. Hier bringt der „Humorarbeiter“ Ingo Börchers seine Zuhörer mit hintersinnigen Wortspielen über Gegenwartstrends oder deutsche und europäische Besonderheiten zum Schmunzeln und Nachdenken. Ihm folgt der beliebte Bauchredner und Stimmenimitator Tobias Gnacke. Michael Spannbauer, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender bei Fondium, ist so begeistert, dass er sich den Kleinkünstler bei einem Betriebsfest vorstellen kann. Wieder nebenan hält das Clownduo Herbert & Mimi die Kinder im Bann. Für Familien mit Kindern ist das Burgfest ein idealer Erlebnisort.

Wer es bis zum Abend aushielt, der wurde mit stimmungsvollen Konzerten der Coverbands The SoulMachine und Phil belohnt. Nachdenklich reagiert die SPD-Stadträtin Regina Brütsch auf die schwache Besucherresonanz. Man werde das Konzept hinterfragen müssen, sagt sie. Jüngere Erwachsene fehlten weitgehend. Dagegen steht eine große Mannschaft mit 250 Helfern aus Vereinen und Rettungsdiensten, die für Sicherheit sorgten.

Was jetzt noch kommt

Noch dreimal ruft der Berg in dieser Woche Besucher zu Konzerten auf die Karlsbastion.

Flogging Molly: Am Donnerstag, 21. Juli, wird die Band um den Sänger Dave King ab 19 Uhr sein Publikum mit einem Mix aus Punk und keltischen Elementen unterhalten. Special Guest ist Acoustical South. (Einlass: 17 Uhr)

Lea & Lotte: Am Freitag, 22. Juli, gibt es ab 18.30 Uhr Frauenpower der beiden Sängerinnen und Songwriterinnen. (Einlass: 16.30 Uhr)

Bausa: Am Samstag, 23. Juli, präsentiert sich der Sänger ab 19 Uhr mit Hip-Hop. (Einlass: 17 Uhr)

Quelle: Südkurier


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