Mit Schwung ins chinesische Neujahr:

Meldung vom 04.02.2020
Wenn die Hüte auf Wanderschaft gehen, braucht es Geschicklichkeit und Geschwindigkeit: Gleichzeitig bauen die Akrobaten vom Chinesischen Nationalcircus aus ihren Körpern mehrstöckige Pyramiden. Bild: Manuela Fuchs

Südkurier: Die jungen Akrobaten zeigen eine Mischung aus spektakulärer Artistik, einfühlsamen Melodien, Humor und Schauspiel

VON MANUELA FUCHS

In China ist das Neujahr so besonders wie bei Euch Weihnachten“, verkündet das Mädchen, das die Bühne der gut besuchten Stadthalle betritt. Die Bühne selbst ist in ein gespenstisch blaues Licht getaucht, im Hintergrund eine Projektion der Chinesischen Mauer, im Vordergrund die schlichten Stockbetten eines AkrobatikInternats irgendwo in China. Die Schüler sind eingeschneit und können nicht nach Hause zu ihren Familien. Um ihrer Traurigkeit zu überwinden, beschließen sie, sich zu verkleiden und sich gegenseitig zu zeigen, was sie in diesem Jahr so alles gelernt haben. Nach und nach kommen alle Darsteller, die tatsächlich sehr jung sind, hinzu und das Programm beginnt mit akrobatischen Übungen an den metallenen Bettgestellen.

Harte Arbeit und viel Training

Kurze Zeit später jonglieren anmutige Mädchen zum Klang exotischer Musik unzählige Teller auf Stöcken. Was für das Publikum so leicht und mühelos aussieht, ist jedoch das Ergebnis harter Arbeit und unermüdlichen Trainings. Egal, ob die Mädchen mit grün leuchtenden Diabolos jonglieren und so ganz nebenbei noch gymnastische Elemente einbauen, oder mit Würfeln, die Geschenkpakete symbolisieren, jede Darbietung erfordert ein absolutes Höchstmaß an Konzentration und Präzision.

Da verrenken und verbiegen sich Menschen in unglaubliche Positionen, als hätten sie keine Knochen und Männer bauen mit ihren Körpern mehrstöckige Pyramiden, während sie mit Hüten jonglieren, die unglaublich schnell an den Nachbarn weitergereicht werden, bis sie schließlich die Spitze der Pyramide erreicht haben.

Körperbeherrschung und Spaß

Sie alle sind ein eingespieltes Team, können sich aufeinander verlassen und dennoch klappt so manche Übung nicht immer auf Anhieb. Die Darsteller lassen sich davon aber nicht aus der Ruhe bringen und machen einfach weiter mit ihrem fantastischen Programm. Wenn sich die Schüler, als Shaolin-Mönche verkleidet, in Kampfkünsten üben und bei ihren akrobatischen Höhenflügen jeder Schwerkraft trotzen, wird schnell klar, was Körperbeherrschung bedeutet.
Neben aller Anstrengung kommt aber auch der Spaß nicht zu kurz. Zwei sehr biegsame Mädchen necken sich und schubsen sich in Metallröhren, wobei sie sich praktisch zusammenfalten müssen, um in den engen Behältern, die an Papierkörbe erinnern, überhaupt Platz zu finden.

Chinesische Glücksdrachen tanzen

Die Bühne gehört an diesem Abend den Akrobaten, Tierschutz wird hier ernst genommen, und so sind die einzigen Tiere, die vorgeführt werden, zahme chinesische Glücksdrachen, die tanzen und ihre Kunststücke zur Erheiterung der Zuschauer vorführen. Wenn Stühle bis unter das Dach der Halle gestapelt werden und ein Akrobat auf dem obersten Stuhl einen Handstand auf nur einer Hand vollführt, oder ein Mädchen auf ihren Fußsohlen einen Schirm auf der Kante rotieren lässt, ist die Begeisterung im Publikum spürbar.

Stürmischer Beifall für die Künstler

Tim Worringer aus Rielasingen war mit seinem Bruder und seinen Eltern da und ihn beeindruckte, dass die Akrobaten sich auch von einem gelegentlichen Patzer nicht Die Mädchen und ihre fliegenden Diabolos: während des Werfens und Auffangens werden gymnastische Übungen eingebaut. Es scheint, als könnten sie die Schwerkraft austricksen. Die Künstler springen meterhoch in die Luft, um dann wieder sicher auf ihren Füßen zu landen. 

Carmen Vanzella war mit ihrer Sprachgruppe aus Schaffhausen angereist. „Wir sind uns einig“, meinte sie, „die Vorstellung ist großartig, allerdings ist der amerikanische Einfluss in der Musik nicht zu überhören. Die alte chinesische Kultur hat sich hier dem internationalen Publikum angepasst.“ Dieses war auf jeden Fall begeistert, es gab stürmischen Beifall für die Künstler.

Seit 30 Jahren auf Tour

Als im Jahr 1989 der Multimedia-Künstler André Heller den Chinesischen Nationalcircus zum ersten Mal einem europäischen Publikum präsentierte, konnte noch niemand ahnen, dass dieses Ensemble in den nächsten 30 Jahren unzählige Besucher in ganz Europa mit seinen immer wieder neuen Geschichten verzaubern würde. Die besten und talentiertesten Künstler aus dem Reich der Mitte überzeugen das Publikum mit einer Mischung aus spektakulärer Artistik, einfühlsamen Melodien, Humor und Schauspiel.

Quelle: Südkurier


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