Mit Musik der Goldenen Zwanziger ins neue Jahr

Meldung vom 12.01.2022
Bariton Hansong Yoo singt beim Neujahrskonzert der Südwestdeutschen Philharmonie unter der Leitung von Yorgos Ziavras in der Stadthalle Singen. | Bild: Sandra Baindl

Südkurier vom 11.01.2022: 500 Besucher pro Abend kommen zum Neujahrskonzert unter dem Motto "Das Leuchten der Nacht". Solist ist der Bariton Hansong Yoo, der kurzfristig für Georgios Iatrou eingesprungen ist.

VON SANDRA BAINDL

Auf eine Zeitreise in die Goldenen Zwanziger des vergangenen Jahrhunderts unter dem Motto "Das Leuchten der Nacht" nahm die Südwestdeutsche Philharmonie das Publikum in der Singener Stadthalle bei ihren diesjährigen Neujahrskonzerten mit. Die ausgewählten Musikstücke sollten das unbändige, überschäumende Lebensgefühl dieser Zeit vermitteln.

Zwei ausverkaufte Abende

Moderiert wurde der Abend von der Intendantin der Philharmonie Insa Pijanka, die
interessante Hintergründe und so manche Anekdoten zu den Stücken und ihren Komponisten erzählen konnte. Pijanka hatte an diesem Abend gleich doppelten Grund zur Freude. Denn sie war nach eigenem Bekunden nicht nur froh darüber, dass das Orchester überhaupt spielen konnte. In Singen konnten die Musiker dies gleich an zwei Abenden vor ausverkauftem Haus tun.
Nur 500 Zuschauer sind aktuell gemäß Corona-Verordnung in der Singener Stadthalle erlaubt. Der Flexibilität der Südwestdeutschen Philharmonie war es zu verdanken, dass fast 1000 Musikliebhaber in Singen auf ihre Kosten kamen. Denn kurzerhand erklärten sich die Musiker aufgrund der großen Nachfrage bereit, ein zweites Konzert am Vorabend zu geben. Hierfür dankte ihnen der Geschäftsführer der Stadthalle Roland Frank besonders.

Programm startet mit "Cabaret"

Das Orchester unter der Leitung von Yorgos Ziavras startete sein Programm voller Elan mit dem berühmten Song "Willkommen, Bienvenue, Welcome" und weiteren Melodien aus dem Musical "Cabaret". Es folgte mit der Suite aus der "Dreigroschenoper" von Kurt Weill und Bertolt Brecht ein Ausflug nach Berlin, wo diese einzigartige Mischung aus Musiktheater und Schauspiel 1928 uraufgeführt wurde.

Mit dem dritten Stück des Abends kam der Bariton Hansong Yoo ins Spiel, dem besonderer Respekt galt. Denn ursprünglich war als Solist Georgios Iatrou geplant. Doch dieser fiel aufgrund einer Quarantänemaßnahme aus, und so sprang Yoo kurzfristig ein. Intendantin Insa Pijanka kannte den gebürtigen Südkoreaner, der in Seoul, Düsseldorf und Hamburg studiert hatte, aus ihrer gemeinsamen Zeit am Stadttheater Kassel. Obwohl er nur eines der Stücke des Abends vorher selbst gesungen hatte, meisterte er die Herausforderung souverän. Mit ihm kamen auch die Fans der Operette auf ihre Kosten. So überzeugte er mit drei Stücken aus "Die Csárdásfürstin" und "Die Zirkusprinzessin" des ungarischen Komponisten Emmerich Kálmán.

Cole Porter und Kurt Weill

Der zweite Teil des Abends begann mit der schwungvollen Ouvertüre des Musicals "Anything goes" von Cole Porter. Mit der "Symphonic Nocturne" aus dem Musical "Lady in the Dark" von Kurt Weill folgte ein weiteres Stück dieses Genres. Dass der Komponist der "Dreigroschenoper" nach seiner Emigration in die USA auch mehrere Musicals geschrieben hatte, durfte manchen Zuschauer überrascht haben. Äußerst spannend war es daher an diesem Abend, durch den direkten Vergleich der Werke zu sehen, wie der Broadway mit seinen unterschiedlichen Musikrichtungen Weills Werk beeinflusste, ohne dass er seinen eigenen Stil aufgab.

Viel Applaus und drei Zugaben

Den Abschluss des Konzerts bildeten eine Arie aus der Oper "Die tote Stadt" des österreichischen Komponisten Erich Wolfgang Korngold und ein Medley berühmter Songs von Marlene Dietrich. Fast akrobatisch absolvierte Yorgos Ziavras sein Dirigat an diesem Abend. Der temperamentvolle gebürtige Grieche, der nach einem Architekturstudium Orchesterdirigieren und Klavier in Athen und Köln studierte, verlieh der Musik mit ganzem Körpereinsatz Ausdruck. Das Publikum dankte dem gut 50-köpfigen Orchester, seinem Dirigenten und dem Solisten Hansong Yoo mit lang anhaltendem Applaus und ließ die Musiker erst nach drei Zugaben von der Bühne der Stadthalle. Und genau wie das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker endete auch dieses Konzert traditionell mit dem Radetzky-Marsch von Johann Strauss.

Quelle: Südkurier


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