Meilensteine der Schulgeschichte

Meldung vom 18.07.2022
Ein wahrhafter Meilenstein auf der Stadthallen-Bühne: Das Musical zum 50-jährigen Bestehen des Friedrich- Wöhler-Gymnasiums. Drei Jahre hatten die Ensembles dafür geprobt.

VON SUSANNE GEHRMANN-RÖHM

Hinter dem Friedrich-Wöhler-Gymnasium (FWG) liegen anstrengende Wochen. Schließlich galt es, das 50-jährige Bestehen der Schule gebührend zu feiern. Das ist mehr als gelungen und fand in einem Festakt und der Aufführung des Musicals „meilen.steine“ am Wochenende zwei fulminante Höhepunkte.

Noch tief beeindruckt von der Premiere des Musicals, begrüßte Schulleiterin Sabine Beck die Ehrengäste beim Festakt in der Stadthalle, darunter auch Kultusministerin Theresa Schopper und ihre drei Vorgänger als Schulleiter, Horst Scheu, Dieter Forster und Hans Zimmermann. Mit einem Fest der Vielfalt hatte die Schule im Rahmen einer Projektwoche zuvor mit Lehrern, Schülern und Eltern gefeiert, und nebenbei sei dabei auch der Schulgarten neu angelegt worden, so Beck.

Kultusministerin Theresa Schopper, die von der Grünen Landtagsabgeordneten Dorothea Wehinger (die wegen ihrer Corona-Erkrankung nicht kommen konnte) zum Festakt eingeladen worden war, bekräftigte zu Beginn ihres Grußwortes, dass sie vehement dafür eintreten werde, dass die Schulen offen bleiben werden, auch wenn die Pandemie wieder stärkere Auswirkungen zeigen werde. „50 Jahre stehen für einen Bildungsaufbruch, denn als Ihr Gymnasium gegründet wurde, wurden ganz viele gebaut und haben neue Perspektiven eröffnet“, sagte Schopper. Sie lobte das Gesamtkonzept der Schule, nämlich Vielfalt zu leben, den europäischen Gedanken zu pflegen und Offenheit nach außen zu zeigen.

Oberbürgermeister Bernd Häusler konnte aus seinem eigenen Erfahrungsschatz in puncto FWG schöpfen. Schließlich hat er selbst ab 1977 zehn Jahre an der Schule verbracht. Besonders erinnere er sich noch an eine Demo, die im Jahre 1981 einen Festplatz ganz in der Nähe der Schule verhindert habe. Auch der langjährige Schulleiter Hans Zimmermann hatte bereits zum zehnjährigen Bestehen der Schule geschrieben, dass sich die Lage abseits im Grünen damals nicht immer als Idyll erwiesen hatte. „Von der Ausgrenzung der Schule anfangs sind wir aber heute weit entfernt“, sagte Häusler. Vor der Eröffnung des FWG war das Hegau-Gymnasium mit 1700 Schülern – und eigentlich für 800 Schüler konzipiert – aus allen Nähten geplatzt, sodass dort sogar Schichtunterricht stattfand.

In einer Talkrunde erzählten Bürgermeisterin Ute Seifried, Schulleiterin Sabine Beck, ihr Stellvertreter Florian Berchtold, Schulsozialarbeiter Matthias Schlotter, Schülersprecherin Lisette Breyer, Elternbeirätin Doris Stemmer, Regina Link vom Förderverein sowie Sechstklässlerin Carla Wölfe von ihren Erfahrungen am FWG. Die Größe der Schule hat nicht nur Ute Seifried beeindruckt, sondern auch Lisette Breyer und Carla Wölfle.

Sabine Beck und Florian Berchtold lernten das FWG zunächst während ihrer zweiten Ausbildungsphase im Referendariat kennen. „Den kalten Bitumenbau fand ich erst enttäuschend, doch als ich die Kollegen kennengelernt habe, zog der Wöhler-Geist bei mir ein“, so Berchtold. Die Elternvertreterinnen Doris Stemmer und Regina Link schätzen die Möglichkeit, wie sich Eltern an der Schule einbringen können. Dass es seit einigen Jahren eine Weltklasse gibt, hält Matthias Schlotter für besonders wichtig. „Die Schüler sind unglaublich motiviert. Seit dem Beginn des Ukraine-Kriegs sind 20 neue Schüler hinzugekommen“, sagt er.

Musical „meilen.steine“: Facettenreiche Nostalgie-Tour zeigt 50 Jahre Wöhler-Geist

Die Geschichte: Am Anfang steht ein Blick in ein altes Jahrbuch. Em und ihre Großmutter Renate (grandios gespielt von Sayenn Floristeanu und Isabella David) wundern sich, wie es Anfang der 70er-Jahre an der Schule zuging. Renate war damals dabei, wollte die Gesellschaft als Lehrerin mitgestalten. Das rote Gymnasium – oder sogar Kaderschmiede von Moskau, wie das Friedrich-Wöhler-Gymnasium auch genannt wurde – wollte vieles anders machen als das altehrwürdige Hegau-Gymnasium, das aus allen Nähten platzte. Em wundert sich, dass es damals Raucherzimmer gab und Schichtunterricht im Hegau-Gymnasium, weil es dort viel zu eng war. Mit bunten Kostümen und bekannten Hits werden die Zuschauer zunächst mit in die flippigen 70er-Jahre genommen. Aber wie war denn nun der Unterricht Anfang der 70er-Jahre? Der Lehrer – noch mit Rohrstock in der Hand – ist im Kommandiermodus eingefroren und aus heutiger Sicht völlig aus der Zeit gefallen. Den Kontrast dazu setzt der Hit von Pink Floyd „Another brick in the wall“ (erschienen 1979) mit dem einprägsamen Text „We don’t need no education“ (wir brauchen keine Erziehung). Auch die ersten Lehrer am FWG gehörten der 68er-Generation an, wollten mehr Demokratie wagen und den Schülern mehr Freiheiten geben, um sich entwickeln zu können. Das Gemeinschaftsgefühl entwickelt sich später auseinander, ähnlich wie es auch in der Fridays-for-Future-Bewegung ist. „Es kostet viel Kraft, andere zu überzeugen, bei unseren Aktionen mitzumachen“, sagt Em. Viele haben nur noch Plattformen wie TikTok oder Instagram im Kopf. Und Cybermobbing ist an der Tagesordnung. „Gab es sowas früher auch, Oma?“ „Ja, doch damals wollten die Leute gar nicht hingucken.“

Fluchtgeschichten: Eingebunden in das Musical sind auch einige Fluchtgeschichten, denn wer will schon in einer Diktatur leben? „Bringt euren Kindern Liebe, Lachen und Frieden bei“ – so die Botschaft einer Geflüchteten. Mit vielen Flaggen europäischer Länder unterstreichen die Akteure ihre Hoffnung auf baldigen Frieden in Europa. In einer Schlussszene tritt Em als Schulleiterin zur 75er-Jahr-Feier ans Rednerpult und stellt fest: „Das Friwö ist sich treu geblieben.“

Die Macher: Mitgewirkt haben rund 120 Menschen aus Unterstufen-Theater-AG (Theatäter), Mittel-Oberstufen-Chor, Chor, Unterstufenchor, Orchester, Tanz-AG und Zirkus. Die Musik stammt von Wolfgang Gentner und Monika Blaser-Eppler. Regie und Inszenierung: Nicola Fritsch, Maria Vrijdaghs, Nancy Kräftenrath, Isabella David, Melanie Aust, Sabrina Domscheit und „tACTlos“. Musikalische Leitung: Monika Blaser-Eppler, Florian Götzeler, Hartmut Kasper und Walter Müller-Fahlbusch. Das Musical konnte durch Gelder aus dem Impulsprogramm „Kultur nach Corona“ des Forschungsministeriums Baden-Württemberg realisiert werden.

Geschichte und Profil

Geschichte: Im Jahr 1966 beschloss der Gemeinderat, in Singen ein zweites Gymnasium zu errichten. Der Schulbetrieb startete 1972 mit 849 Schülern und 27 Klassen. Heute hat die Schule rund 1150 Schüler, die in 45 Klassen von 102 Lehrern unterrichtet werden.

Profil: Die Schule wurde zum vierten Mal in Folge in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) ausgezeichnet. Seit vielen Jahren trägt sie den Titel „Partnerschule für Europa“. Als Fair-Trade-Schule setzt sich das FWG für ein nachhaltiges Konsumverhalten ein.

Festakt: Der Festakt wurde musikalisch umrahmt durch Ensembles der Schule unter der Leitung von Walter Müller-Fahlbusch, Monika Blaser-Eppler und Hartmut Kasper sowie Ausschnitte aus dem Musical unter der Gesamtleitung von Nicola Fritsch. Zum Jubiläum ist eine umfangreiche Festschrift erschienen.

Quelle: Südkurier


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