Magische Momente am Hohentwiel

Meldung vom 25.07.2022
Sängerin Lea und ihr Publikum: Bei ihrem Auftritt auf dem Hohentwiel-Festival war es Liebe auf den ersten Blick. Bilder: Oliver Hanser

VON ANINA KEMMERLING UND PAULINA DAIBER

Frauenpower und Deutschrap – mit diesen beiden Schlagworten lassen sich die beiden letzten Abende des Hohentwiel-Festivals zusammenfassen. Am Freitagabend sorgten die deutschen Pop-Sängerinnen Lea und Lotte bei heißen 30 Grad im Sonnenuntergang dafür, dass das Singener Publikum nicht zu schwitzen aufhörte. Das Festival war an diesem Abend ausverkauft, die Stimmung ausgelassen.

Die Künstlerinnen dieses Abends zählen zu den erfolgreichsten des Landes. Ihre Lieder werden täglich im Radio gespielt. Und auch in Fernsehsendungen wie der TV-Show „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“ sind beide zuletzt gern gesehene Gäste gewesen. Durch zarte und beinahe jugendliche Ausstrahlung gepaart mit unverkennbarer Bühnenpräsenz und Stimmkraft ziehen Lea und Lotte die Zuschauer an.

Und so sehr sich die beiden Sängerinnen ähneln, so individuell waren ihre Bühnenshows. Lea trat in kurzem Blumenkleid mit weißen Turnschuhen allein auf die Bühne. Das erste Lied, das sie an diesem Abend spielte, war die Ballade „7 Stunden“. Jeder aus dem Publikum kannte den Text. Es wurde laut mitgesungen, die Arme schwangen in der Luft zur Musik. Durch ein abwechslungsreiches Programm schaffte es Lea an diesem Abend, das Festivalpublikum in ihren Bann zu ziehen. Von vibrierenden Trommel-Schlägen und Elektro-Beats bis hin zu ruhigen Klaviersoli, in welchen die klare Stimme der Sängerin besonders zum Vorschein kommt. Das Bühnen- und Lichtbild wechselte ständig. Und ehe man es sich versah, stand die 30 Jahre alte Sängerin selbst inmitten des Publikums, um ein Medley ihrer größten Hits aufzuführen.

Die ausgefallene Bühnenshow wurde einige Male durch ernstere Töne unterbrochen. Kurz vor dem letzten Lied des Abends sprach Lea das Thema Selbstliebe und verzerrte Schönheitsideale an. Ihr sei es ein besonderes Anliegen, „gesellschaftliche Tabuthemen“ vor ihrem Publikum anzusprechen. Und was sie in letzter Zeit besonders beschäftige, sei die Welt der sozialen Medien und die unrealistischen Bilder, mit denen junge Menschen heutzutage konfrontiert werden. „Was geht in unserer Gesellschaft ab, wenn wir unser eigenes Leben vernachlässigen, um uns täglich mit dem Alltag anderer Internetnutzer zu vergleichen?“, sagte die Sängerin und stimmte ihren Song „Okay“ an, in dem es um die Schönheit der Unterschiedlichkeiten geht. Ein emotionaler Abschluss eines besonderen Konzerts.

Zuvor heizte Lotte das Publikum ein. Die 26 Jahre alte Sängerin trug einen weißen Jogginganzug, hatte wilde, kurz geschnittene Haare und sprang mit ihrer Band auf die Bühne. Für sie sei das Festival ein Ort, um loszulassen. Das wichtigste für Lotte war, dass sich ihr Publikum wohlfühlt: „Ihr könnt tanzen, lachen und weinen. Hauptsache ihr macht das, wonach ihr euch gerade fühlt.“ Und auch Lotte schaffte es, die Besucher des Festivals auf ihre eigene authentische Art zu begeistern.

Mit ausgelassener Stimmung ging das Festival am Samstagabend zu Ende. Der Rapper Bausa sorgte mit seinen Liedern für gute Laune bei den Fans. Bevor er um 20.30 Uhr auf die Bühne kam, hatte die Gruppe Kumpelmusik als Vorgruppe noch einen kurzen Auftritt. Dann begrüßte Bausa endlich die Besucher auf dem Hohentwiel mit seinem Song „Vermisst“. Der Künstler aus Bietigheim-Bissingen rief den rund 2000 Zuschauern zu, dass es ihm sehr viel bedeute, nach zwei Jahren Pause endlich wieder auf der Bühne zu stehen, und bedankte sich bei den Fans.

Während seiner Show spielte er größtenteils Lieder, die das Publikum in Partystimmung versetzten. Aber es gab auch ein paar ernstere Töne. Wie das Lied „2012“, in dem es darum geht, wie schwer sein Weg als Musiker anfangs gewesen sei. Zwischendurch erklärte Bausa, dass er tags zuvor noch beim Deichbrandfestival in der Nähe der niederländischen Grenze aufgetreten sei. Er und sein Team lieferten trotz der langen Reise eine unterhaltsame Show ab, man merkte ihnen die anstrengenden Tage kaum an.

Der Rapper war mit vollem Einsatz auf der Bühne: Er sprang und tanzte und beschloss am Ende eines Songs sogar, seinen Mikrofonständer über die Bühne zu werfen. Den brauchte er dann allerdings später für einen etwas melancholischeren Song wieder. Auch eine kleine Sporteinlage durfte nicht fehlen: Zehn Liegestütze machte Bausa für seine Fans, nachdem er betonte, dass er in den letzten Wochen viel Sport gemacht habe. Zum Abschied sang Bausa eines seiner bekanntesten Lieder, seine Diamant-Single „Was du Liebe nennst“. Das Lied stand im Herbst 2017 neun Wochen lang auf Platz eins der deutschen Single-Charts. Nach einer letzten Zugabe ging der dritte und letzte Abend des Hohentwiel-Festivals zu Ende und das Publikum wanderte etwas verschwitzt, aber in guter Stimmung den Berg herunter.

Die Musiker

Die Singer-Songwriterin Lea begann im Alter von 15 Jahren damit, erste eigene Lieder auf eine Videoplattform hochzuladen. Mittlerweile zählt sie zu Deutschlands erfolgreichsten Popsängerinnen und gewinnt bedeutsame Preise. Auch Lotte begann früh mit dem Gesang und schrieb bereits mit 13 Jahren ihr erstes Lied. Ihren Durchbruch schaffte sie im Duett mit Max Giesinger im Jahr 2019 und dem Stück „Auf das was da noch kommt“. Der deutsche Rapper Bausa wurde in Saarbrücken geboren. 2014 erschien sein Extended Player „Seelenmanöver“, das aktuelle dritte Studioalbum heißt „100 Pro“. 


Quelle: Südkurier


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