Geschichte, stille Örtchen und ein Gänsevater

Meldung vom 07.09.2017
"Plötzlich Gänsevater" war Michael Quetting. Bild (Buchtitel): Ludwig-Verlag

Große Themenvielfalt bei der Vortragsreihe "WissensWert"

Mit einer großen Themenvielfalt wartet die Vortragsreihe "WissensWert" in der Stadthalle Singen in der Saison 17/18 wieder auf. Unter gemeinsamer Flagge haben es sich die wichtigsten Vortragsveranstalter in Singen zur Aufgabe gemacht, der Allgemeinheit fundiertes Expertenwissen in ansprechender und verständlicher Form zugänglich zu machen. Wenn man so will, ein Gegenentwurf zur massen-, aber oft auch zweifelhaften Wissensverbreitung über digitale Medien. Gefördert wird die "WissensWert"-Reihe von der  Stadt Singen unter dem Label "Kultur pur". Die Vorträge sind meist sehr gut besucht. Deshalb empfiehlt es sich, den Vorverkauf bei der Tourist Information Singen oder allen anderen Reservix-Vorverkaufsstellen zu nutzen. Die Vorträge beginnen jeweils um 20 Uhr.

Den Auftakt macht Professorin Katharina Ceming am Mittwoch, 4. Oktober. Sie möchte  mit ihrem Vortrag "Denken hilft!" philosophische Anstöße zur Lebensorientierung in Zeiten der Veränderung geben. Ein Beitrag zum 500. Reformations-Jubiläum ist der Vortrag über Martin Luther am Mittwoch, 11. Oktober. Pfarrerin Andrea Fink von der Luthergemeinde Singen stellt den Reformator als Medienstar und einsamen Zweifler, Querdenker, Musiker und Sprachschöpfer vor. Der Eintritt zu diesem Vortrag ist frei! Einem Thema im Hier und Jetzt wendet sich am Mittwoch, 25. Oktober Professor Klaus Hoffmann zu, Medizinischer Direktor am Zentrum für Psychiatrie Reichenau. Er spricht über die Arbeit in der Forensik, also die Behandlung von Straftätern. "Hier ist der Spagat zwischen den Interessen der Patienten und den Sicherheitsinteressen der Gesellschaft sorgfältig abzuwägen", betont Hoffmann.

Professor Stefan Schreiner kommt am Dienstag, 14. November auf die Reformation in christlicher, jüdischer und muslimischer Wahrnehmung zu sprechen. "Das Zeitalter der Reformation war nicht nur ein Zeitalter intensiver innerchristlicher Auseinandersetzung, sondern gleichermaßen intensiver christlich-jüdisch-muslimischer Begegnungen wie Vergegnungen, um es mit Martin Buber zu sagen. Es war geprägt von Versuchen wechselseitigen Verstehens wie erbitterter Polemik", sagt Stefan Schreiner. Er ist Seniorprofessor für Religionswissenschaft und Judaistik sowie Berater des Rektors für den weiteren Auf- und Ausbau des Zentrums für Islamische Theologie an der Universität Tübingen.

Ein ganz persönlicher und auch humorvoller Forschungsbericht von Michael Quetting unter dem Titel seines Buches "Plötzlich Gänsevater" bereichert am Donnerstag, 23. November die "WissensWert"-Reihe. Der Laborleiter am Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell-Möggingen berichtet, wie er mit sieben frisch geschlüpften Graugänsen die Welt erkundete, ihnen mit dem Ultraleichtflugzeug das Fliegen beibrachte und sie schließlich – mit Wettermessgeräten ausgestattet – in die Freiheit entließ. Am Mittwoch, 28. Februar rückt der Historiker Michael Kitzing den ersten hauptamtlichen Singener Bürgermeister Paul Thorbecke (1882-1928) als einen frühen Parteistrategen und Wahlkampfmanager – nämlich der Badischen Nationalliberalen – zum Beginn des 20. Jahrhunderts in den Mittelpunkt des Interesses. Er thematisiert auch die Stadtgeschichte Singens zwischen Kaiserreich, Erstem Weltkrieg und der Revolution von 1918/19.

Zum 90-jährigen Bestehen des Krankenhauses Singen lässt Professor Philipp Osten am Dienstag, 13. März das spannende Thema "Gesundheit, Stadt und Krankenhaus vor 90 Jahren" Revue passieren. Osten leitet das Institut für Geschichte und Ethik der Medizin am Universitätskrankenhaus Hamburg-Eppendorf und ist Direktor des Medizinhistorischen Museums Hamburg. Aus seiner Sicht ist das Krankenhaus Singen ein Denkmal für den medizinischen Aufbruch in den 1920er und frühen 1930er Jahren, der eine bemerkenswerte Verbesserung urbaner Gesundheitsverhältnisse für alle gesellschaftlichen Schichten bewirkte.

2019 liegt die Gründung der Weimarer Republik 100 Jahre zurück: Die Leiterin des Stadtarchivs Singen, Britta Panzer, widmet sich bei ihrem am Mittwoch, 25. April stattfindenden Vortrag "Die vergessene Republik" den Spuren der ersten parlamentarischen Demokratie in Singen. Unter dem Titel "Vom Busch zum Dusch-WC" schildert der stellvertretende Thurgauer Kantonsarchäologe und Museumsleiter Urs Leuzinger am Mittwoch, 2. Mai die spannende Geschichte des "stillen Örtchens" in über 5000 Jahren von der Altsteinzeit bis heute. "Zug der Zeit – Zeit der Züge" betitelt der Verleger und Autor Klaus-Michael Peter seinen Vortrag am Donnerstag, 17. Mai zum Thema 155 Jahre Eisenbahn in Singen. Mit einer eindrucksvollen Bilderserie und einer Modellbahnpräsentation stellt er die Entwicklung der Eisenbahn in Singen und den Wandel des zeitgeschichtlichen Rahmens vor.

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