Ein Heimspiel für Hazel Brugger

Meldung vom 12.11.2021
Die Kabarettistin Hazel Brugger bei ihrem Auftritt in der Stadthalle Singen. Bild: ISA

Südkurier: Die beste deutsche Komikerin 2020 kommt aus der Schweiz - und in die Stadthalle. Ein Abend mit ungeschönten Einblicken

VON ISABELLE ANRDT

Für Hazel Brugger ist es beinahe ein Heimspiel: Die 27 Jahre alte Kabarettistin ist in Dielsdorf nahe Zürich aufgewachsen, nur knapp 60 Kilometer von Singen entfernt. Singen habe sie sich zwar nicht extra angesehen, wie sie auf Nachfrage bei ihrem Auftritt in der Stadthalle erklärt, aber sie habe online eine Tankstelle, einen Drogeriemarkt und ein Restaurant ausgemacht – und sei damit ja quasi eine Expertin für die Hohentwiel-Stadt. Das Publikum lacht, wie so oft an diesem Abend. Der Expertenstatus der besten Komikerin 2020, so bescheinigt es der Deutsche Comedypreis, zeigt sich auch daran, dass sie das deutsch-schweizerische Verhältnis genial überspitzt: Die Zuschauerin in der ersten Reihe ist Schweizerin? Kein Wunder, dass die drei Plätze neben ihr leer sind – nicht, dass sie neben einem Dütschen sitzen müsse.

Dabei geht es beim dritten Bühnenprogramm der Wahl-Kölnerin eigentlich um etwas anderes: „Kennen Sie diese Frau?“ heißt es. Und über diese Frau erfährt man einiges an diesem unterhaltsamen Mittwochabend. Von ihren ersten Lebensjahren in einer Familie, die ihren Hund Helena und ihre Tochter Hazel nennt. Von den Unterschieden zwischen Schweizern und Deutschen: In Deutschland sind Lichtschalter außerhalb des Badezimmers, man müsse seine Küche selbst einbauen und das Brot sei hart. Außerdem spricht Hazel Brugger herrlich ungeschönt von der einschneidenden Veränderung, wenn aus einem Paar eine Familie wird. Denn während ihr für Mai 2020 geplanter Besuch in Singen wegen der Pandemie warten musste, entstand ein neues Thema: Hazel Brugger wurde Mutter.

Während im Geburtsvorbereitungskurs lieber von Wellen gesprochen wurde, bevorzuge sie die klassische Bezeichnung Wehen: Weil es weh tue und sie sich gedacht habe, wehe, sie muss das nochmal erleben. Kinderlieber sei sie übrigens auch nicht geworden, weil sich all ihre Liebe nun auf ein Kind konzentriere – ihr eigenes. Bei einer weiteren Zuschauerfrage sagt sie aber auch: Für ein Mal mache man den Ofen ja nicht dreckig. Soll heißen: Weiterer Nachwuchs ist durchaus möglich. Dennoch inszeniert sich die Comedian nicht als perfektionistische Übermutter. Ihre Themen reichen in kurzweiligen 1,5 Stunden von ihrer Körpergröße (1,80 Meter) bis zum Chefin-Sein.

Was den Abend in Singen von anderen unterscheidet, ist das Publikum: Wo sonst sitzt eine recht kleine Schweizerin in der ersten Reihe, die sich ihre Glitzerschuhe in der Kinderabteilung kauft? „Du weißt, was ich lustig finde“, muss auch Hazel Brugger lachen. Immer wieder bezieht sie das Publikum mit ein. Zum Abschied schwärmt sie noch von stichfestem Schokojoghurt, wie es ihn nur in der Schweiz gebe – und zieht weiter. In Stuttgart, Karlsruhe und Lörrach kann das Publikum sicher auch über die deutsch-schweizerische Liebe lachen.

Quelle: Südkurier


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