Damen verzaubern das Publikum

Meldung vom 17.01.2020
Intendantin Insa Pijanka führt beim Neujahrskonzert der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz in der Stadthalle Singen durch das Programm. Bild: Carmen Biehler

VON SASKIA BIEHLER

Südkurier: Schwungvoller Jahresbeginn mit Philharmonie. Moderatorin und Solistinnen prägen den Abend.

Vor allem die Damen sorgten beim Neujahrskonzert der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz in Singen für einen besonderen Zauber. So spielte auch Intendantin Insa Pijanka eine wichtige Rolle, obwohl sie nicht direkt an der Musik beteiligt war. Zum einen kann man ihr zu einer gelungenen Programmauswahl gratulieren, aber auch zu ihrer unterhaltsamen Moderation. Bereits zu Beginn des Konzertes hatte sie versprochen: „Wir haben heute einen Neujahrs-Vorsatz, den wir auch tatsächlich einlösen werden. Wir nehmen Sie mit auf eine musikalische Reise.“ Ganz in diesem Sinne moderierte sie als Reiseleiterin durch das Programm und erheiterte mit Anekdoten.

„Mythos Broadway – Von Wien nach New York“ war der Titel des Abends und so war der erste Aufenthalt im Wien des 19. Jahrhunderts, als die Familie Strauss dort das Musikleben bestimmte. In diesem Sinne begann das Programm mit der Ouvertüre aus einer der bekanntesten Operetten „Die Fledermaus“ von Johann Strauss Sohn. Der Komponist war bereits damals so erfolgreich, dass er 1872 in die Vereinigten Staaten eingeladen wurde, um dort innerhalb von drei Wochen 23 Konzerte zu geben. Einen ersten Zwischenstopp legte die Philharmonie in Paris, dem Handlungsort von Leonard Bernsteins Operette „Candide“, ein. Damit kam es bereits zum ersten von vielen Höhepunkten, als Solistin Judith Caspari die Arie „Glitter and Be Gay“ sang. Die 26-Jährige war noch bis vor Kurzem als Anastasia im gleichnamigen Musical in Stuttgart zu sehen. In Singen sorgte sie für den entsprechenden Hauch Broadway und zog die Zuschauer von Anfang an in ihren Bann. So zeigte sie einerseits die Bandbreite ihres sängerischen Könnens, überzeugte aber auch mit darstellerischem Talent. Trotz fehlender Kulissen oder Kostüme schaffte sie es, verschiedene Rollen überzeugend darzustellen. Als Eliza Doolittle aus dem Musical „My Fair Lady“ schmachtete sie „I Could Have Danced All Night“, als Holly Golightly aus „Breakfast at Tiffany’s“ erinnerte sie sich sehnsuchtsvoll an den „Moon River“ oder sie überzeugte als Christine aus dem Andrew Lloyd Webbers „Phantom of the Opera“.

Zusätzlich gab es ein ungewöhnliches Solo. In „The Type Writer“ von Leroy Anderson hatte Orchestermitglied Dessi Slava Keperova ihren großen Moment an der Schreibmaschine. Dafür nahm die Schlagzeugerin ausnahmsweise ganz vorne auf der Bühne Platz.

Bei so viel geballtem Charme hatte der britische Dirigent Kevin Griffiths es schwer, nicht ins Abseits zu geraten. Das allerdings zu Unrecht, denn er leitete das Orchester souverän und mit viel Energie. Nach knallenden Korken und Konfetti-Regen, „Happy New Year“ von Abba sowie zwei Zugaben spendete das Publikum stehend Applaus.

Das Orchester

Die Südwestdeutsche Philharmonie Konstanz wurde 1932 gegründet. Mit über 60 fest angestellten Musikern erreicht das Orchester bei über 100 Konzerten pro Jahr etwa 80.000 Menschen. Chefdirigent ist der Finne Ari Rasilainen. Die Leistungsfähigkeit der Philharmoniker zeigt sich auch in der Liste der berühmten Solisten, die mit dem Orchester musiziert haben: die Sängerinnen und Sänger Anna Netrebko, Placido Domingo, Rolando Villazón, Marlis Petersen und Marcello Álvarez sowie Instrumentalvirtuosen wie Gidon Kremer, Mischa Maisky, Tabea Zimmermann, Sabine Meyer, Rudolf Buchbinder, Boris Pergamenschikow, Christian Tetzlaff, Lars Vogt, Tzimon Barto, Christian Lindberg, Kolja Blacher und viele mehr. Intendantin Insa Pijanka sind dramaturgische Tätigkeiten wie Konzerteinführungen und Moderationen ein besonderes Anliegen.

Quelle: Südkurier


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