DSDS-Gewinnerin Marie Wegener jetzt im Musical

Meldung vom 02.12.2019
Bei ihrem Auftritt in der Stadthalle wollen sie von innen heraus strahlen: Marie Wegener und Alexander di Capri. Bild: Kai Heimberg

Südkurier: Marie Wegener und Alexander di Capri kommen als "Die Schöne und das Biest" am Mittwoch, 15. Januar nach Singen. Im Interview spricht die DSDS-Gewinnerin über den Druck, der mit Schönheit einhergeht – und ihr Szenenpartner darüber, wie er zum Biest wird.

VON DANIEL SCHOTTMÜLLER

Frau Wegener, mit 16 Jahren haben Sie als jüngster Teilnehmer aller Zeiten die Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“ gewonnen. Jetzt sind Sie 18 und reisen im Januar als Musicaldarstellerin nach Singen. Wie kam es dazu?

Wegener: Der Produzent des Musicals dachte, dass die Rolle gut zu mir passen würde. Er hat sich an mein Management gewendet und ein Angebot gemacht, das ich direkt sehr interessant fand. Nach DSDS war ich ja eher im Schlager- und Pop-Bereich aktiv. Musical ist dann doch noch einmal eine ganz andere Richtung – dadurch, dass man in eine Rolle schlüpft. Ich fand das spannend! Ich bin dann nach Brünn geflogen. Dort habe ich dem Produzenten des Stücks etwas vorgesungen und vorgespielt – und es hat gepasst. Er hat mich sofort genommen.

Sie spielen Bella, die Protagonistin von "Die Schöne und das Biest". Was reizt Sie an dieser Rolle?

Wegener: Schon beim ersten Lesen des Scripts fand ich unsere Version von "Die Schöne und das Biest" wunderschön. Das liegt auch daran, dass ich direkt überzeugt von der Bella war. Sie ist ein sehr offener herzlicher Mensch, der nicht nur auf das Äußere achtet und oberflächlich denkt, sondern ein tiefgründiger Charakter ist. Sie ist jemand, der auf andere Menschen eingeht und das Positive in ihnen sieht. Ich finde das spiegelt auch mich selbst wider.

Herr di Capri, Sie spielen den Gegenpart. Wie wird man denn zum Biest? Wie bereiten Sie sich auf eine solche Rolle vor?

Di Capri: Ich hole mir vor jeder Rolle, die ich spiele, Informationen ein. Gerade wenn es bei einem Stück schon so viele Versionen gibt wie bei "Die Schöne und das Biest" schaue ich mir die entsprechenden Filme und Musicals an, um mir ein Grundbild davon zu machen, wie Regisseure und Filmemacher die Rolle anlegen. Daraus suche ich mir dann heraus, was für mich wichtig. Ich frage mich: Was ist die Botschaft, die diese Rolle wiedergeben muss? Um mir dann, meine eigene Figur zu schaffen.

Nun hat Herr di Capri schon jahrzehntelange Musical-Erfahrung, für Sie dagegen ist es das erste Mal, Frau Wegener.

Wegener: Was für mich ungewohnt und neu ist, ist das Schauspielern. Ich habe aber bereits Unterricht genommen und freue mich auf die Proben, die jetzt in Brünn stattfinden. Auch das Script habe ich schon sehr oft durchgelesen und mir Videomaterial von früheren Produktionen auf Youtube angeschaut, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie das Ganze auf der Bühne aussehen kann. Den neuesten Spielfilm mit Emma Watson hab‘ ich mir auch sehr gerne angesehen. Was die Mimik und Gestik angeht, kann man da schon etwas mitnehmen. Ansonsten ist für mich aber die eigene Fantasie maßgeblich – viel selbst spielen und so in die Rolle finden.

Ist denn das Stück, das Sie in der Singener Stadthalle aufführen werden, mit der Disney-Version vergleichbar? Oder müssen sich die Zuschauer auf viele Neuerungen einstellen?

Di Capri: Der Hauptunterschied liegt in der Musik. Die Stücke, die wir singen werden, hat ein anderer Komponist geschrieben. Es gibt aber auch Unterschiede, was die Charaktere betrifft. Außer Bella, dem Biest, Gaston und dem Vater haben wir es mit anderen Nebencharakteren zu tun – gerade, was das Schlosspersonal angeht. Bei uns treten zum Beispiel ein verzaubertes Cello und eine Spinnenkönigin auf.

Bringt der Titel des Stücks einen gewissen Druck mit sich, Frau Wegener? Wie gehen Sie damit um, dass Sie in dieser Rolle immer "schön sein müssen"?

Wegener: Für mich geht es bei Belle nicht um äußerliche Beauty. Sie hat innere Schönheit und die kann man nicht verlieren. Ansonsten ist es eine Rolle, bei der man ja viel geschminkt und zurechtgemacht wird (schmunzelt). Da mache ich mir überhaupt keinen Druck. Ich hoffe einfach, dass vom Schauspielerischen und vom Gesang her alles passt – das macht mich eher nervös.

Di Capri: Ich finde Marie braucht keine Schminke – sie strahlt von innen Schönheit aus. Und genau das ist in dem Stück gefragt. Es geht nicht darum, sich aufzubrezeln, wie man das von Miss-Germany- oder Miss-World-Wettbewerben her vielleicht kennt. Unsere Geschichte ist das Gegenteil: Auch das Biest hat ja eine sehr warme liebevolle Ausstrahlung. Ich finde unsere Geschichte deshalb so aktuell, weil wir in einer Welt leben, in der es immer mehr um Äußerlichkeiten geht. Man braucht nur auf die Social-Media-Portale zu schauen, wo alle zur Schau stellen, wie toll doch ihr Leben ist. Aber das ist fake, nichts Wahres. Im Gegenteil dazu geht es in unserer Geschichte darum, hinter die Kulissen zu schauen. Darum, tiefer zu gehen, als dieses oberflächliche "I like you". Ich habe das Gefühl – gerade auch durch die ganzen Castingshows – dass wir in einen Strudel geraten. Jeder hat das Gefühl, schöner und erfolgreicher als der andere sein zu müssen. Wir jetten um die Welt und verlieren dabei das Grundsätzliche, das Miteinander, aus den Augen. So züchten wir eine Generation von Menschen heran, die nur noch sich selbst lieben können.

Sie haben bei einer solchen Castingshow mitgemacht, Frau Wegener.

Wegener: Das stimmt, ich habe mich aber auch in dieser Zeit nie verloren. Ich bin immer mir selbst treu geblieben. Das war mir auch wichtig. Ich wollte zwar immer auf die Bühne – aber ich wollte als Marie auf die Bühne. Und nicht als jemand, der sich irgendeiner Show anpasst, um anderen zu gefallen. Entweder, man mag mich so wie ich bin oder nicht. Trotzdem würde ich Alex zustimmen: Man kann sich in einer solchen Sendung sehr schnell verlieren. Ich habe viele Kandidaten erlebt, die sich verändert haben, um im Fernsehen mehr gezeigt zu werden und so populärer zu werden. Aber ich glaube, dieser Gedanke ist falsch. Mich mochten die meisten Zuschauer, gerade weil ich so bin wie ich bin.

Haben Sie bei den Dreharbeiten für DSDS viel gelernt, das Ihnen heute noch hilft?

Wegener: Ich habe gelernt, mehr Selbstvertrauen zu entwickeln. Es ist ja so: Andere versuchen sehr schnell, dich runter zu ziehen und dir zu vermitteln: "Du bist nicht gut genug." Aber das stimmt nicht. Jeder ist auf seine Art und Weise gut. Wenn man viel arbeitet und besser wird, sollte man an sich glauben und weitermachen. Das sind überhaupt die wichtigsten Dinge: Selbstvertrauen, an-sich-glauben.

Bei einer solchen Musical-Tournee, wie sie jetzt für Sie beide beginnt – ist aber sicher auch Durchhaltevermögen gefragt.

Di Capri: Das stimmt, trotzdem freue ich mich immer auf das Touren. Es ist ja auch nur ein kurzer Zeitraum, in dem wir im deutschsprachigen Raum unterwegs sind. Ich selbst durfte zwar schon mal bei den wunderbaren Festspielen in Bregenz mitspielen, aber in Singen war ich zum Beispiel noch nie. So etwas finde ich immer interessant. Vielleicht sage ich ja nach unserem Auftritt: "Mensch, da fahr ich auch mal privat hin."

Wegener: Ich glaube, dass eine Tour auch hart sein kann. Man hat in diesem Zeitraum sehr wenig Privatsphäre, Bei mir kommt dazu, dass ich nicht wirklich der Busmensch bin, wir aber sehr viel mit dem Bus unterwegs sein werden. Da muss ich mal schauen, wie ich damit umgehe. Aber: Ich glaube eine Tour schweißt auch immer zusammen. Und auf dieses Miteinander freue ich mich schon.

Zu den Personen
Marie Wegener (geboren 2001 in Duisburg) hat 2018 die 15. Staffel der Castingshow "Deutschland sucht den Superstar" gewonnen. Ihr von Dieter Bohlen geschriebener Siegersong "Königlich" bescherte ihr 64 Prozent der Zuschauerstimmen. 2019 legte Marie Wegener in Duisburg ihr Abitur ab, im gleichen Jahr tourte sie mit Andreas Gabalier durch Deutschland. Ihr aktuelles Album "Countdown" ist dem Schlager-Genre zuzuordnen. Privat hört Marie Wegener gerne deutschen, englischen und amerikanischen Pop.

Alexander di Capri (geboren 1974 in Fulda) hat an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main und der Juilliard School in New York Gesang und Schauspiel studiert. Seither stand der 45 Jahre alte Familienvater bei zahlreichen Musical-Produktionen auf der Bühne, unter anderem als Judas in "Jesus Christ Superstar" und als Jean Valjean in "Les Misérables".

Quelle: Südkurier

Mehr zum Musical und Karten online

 


Diese Webseite verwendet Cookies. Durch die Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Datenschutzerklärung X