"Vom Meister der Anekdote"

Meldung vom 30.11.2018
Markus Krebs

Südkurier zum Gastspiel des Comedian Markus Krebs

VON HANNES SCHULTHEISS

"Forscher haben herausgefunden, sind dann aber wieder hereingegangen." Sie finden das nicht witzig? Falls doch, hätten Sie sich vielleicht um ein Ticket für den Sonntagabend in der Stadthalle Singen bemühen sollen. Da gab sich Markus Krebs, der nicht unumstrittene König des gehobenen Flachwitzes, vor ausverkauftem Haus die Ehre. Der bierbäuchige Kneipenchronist mit Ruhrpott-Mütze, Sonnenbrille, Truckerbart und Spruch-T-Shirt ("Pass auf, kennste den?") hatte sein aktuelles Programm "Permanent Panne" dabei und das Publikum im Handumdrehen auf seiner Seite.

Keine fünf Minuten lang stand Krebs auf der Bühne und von überall her gab es Lachsalven. Geschickt verpackte er die markigen Zweizeiler, für die er bekannt ist, in Geschichten aus dem Mallorca-Urlaub mit seiner hilfsbereiten, aber nicht allzu hellen Expartnerin (die bei den Hotelnachbarn fragt, wann sie mit Treppenputzen dran ist) oder in Anekdoten aus der Gartenvereinskneipe und der "Schufa-Klausel".

Da wird schon stark überzeichnet. Aber Krebs bewegt sich auch auf dem Boden der Realität, das weiß jeder, der gerne mal spätabends ein Bier am Tresen trinkt. Neben dem Umstand, dass Krebs, mit seinem Gespür für Pausen und Mimik, ein ausgezeichneter Witzeerzähler ist, liegt genau darin sein Talent: Er kennt das Leben in seinen flachen Momenten und ist sich nicht zu schade dafür, sich über zwei Stunden darin zu suhlen. Meist bewegt er sich unter der Gürtellinie, kaum eine seiner Pointen ist jugendfrei und viele der Witze mögen gegen einen Vorwurf des Sexismus immun sein.

Wer an diesen Punkten sensibel ist, dem ist von seinen Shows abzuraten. Allerdings bekommt bei Krebs wirklich jeder sein Fett ab ("ich bin in den Wechselhaaren"). Davon abgesehen wird eine solche Diskussion das in jeder Hinsicht bunt gemischte Publikum in der Stadthalle kaum interessieren.

Kinderfreundlich zeigte sich der immer wieder das Publikum einbeziehende Komiker jedenfalls. Nach unterhaltsamen Gesprächen mit Stella und dem zwölfjährigen Matthias erteilte Krebs den beiden die Erlaubnis, sich etwas am Merchstand auszusuchen: "Sagt, der dicke Alte hat euch geschickt." Es ist anzunehmen, dass das keine bloße Marketingnummer war – und wenn schon, welches Kind freut sich nicht über einen Brennholzverleih-Pulli?

In der Pause dröhnte Doro und "Doctor Doctor" von UFO aus Boxen, danach ging es mit gewohnt hoher Gag-Rate weiter. Krebs informiert über Erfahrungen aus dem Fitnesscenter – "Ich hab mich auch für ein Gerät interessiert und mir da ne Cola gezogen" – erklärt, wieso davon abzuraten ist, Kindern Märchen zu erzählen und gibt für die Jüngeren im Saal den Didaktiker: "In der Schule lernt ihr nichts. Geht lieber in die Kneipe – die sind da zwar alle gescheitert, wissen aber, wieso." Die Erwachsenen konnten indes vor allem eines mitnehmen, zumindest sofern sie ein gutes Gedächtnis haben: eine ganze Wagenladung knackiger Witze für die Weihnachtsfeier oder den nächsten Kneipenbesuch.

Zur Person
Markus Krebs (*1979) ist ein aus Duisburg stammender Stand-Up-Comedian. Er ist vor allem für klassische Kneipenwitze und Kalauer bekannt, die er im Rahmen derber Alltagsgeschichten präsentiert. Der Fan des MSV Duisburg fiel in seiner Jugend als Hooligan auf, war schon Vize-Baumarktleiter und Gastronom, ehe er 2008 den Niederrheinischen Comedy-Preis gewann. 2011 siegte er in der ersten Ausgabe des Comedy Grand Prix, seither ist er erfolgreich mit Soloprogrammen in ganz Deutschland unterwegs.

Quelle: Südkurier


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