"Rock trifft toupierte Frisuren"

Meldung vom 05.12.2017
Kraftvolle Stimmen, Tanz und Tempo beim Musical Hairspray in der Singener Stadthalle mit Beatrice Reece als Tracy Turnblad (Mitte) in der Hauptrolle. Bild. Jacqueline Weiss

Südkurier: Gute Darsteller überzeugen im Musical “Hairspray“

VON JACQUELINE WEISS

Es sind vor allem die starken Stimmen, die beim Musical Hairspray in der Stadthalle Singen überzeugen. Allen voran Beatrice Reece in der Rolle der pummeligen Schülerin Tracy Turnblad, die im Amerika Anfang der 60er-Jahre davon träumt, in ihrer Lieblingsfernsehshow „The Corny Collins Show“ mitzumachen. Doch die ganze Truppe trägt spielend, tanzend und singend zum Gesamtbild bei. Da sind ihre zickigen Widersacherinnen Velma (Nicole Rößler) und Amber (Maja Sikora), ihre übergewichtige, von Andrea Matthias Pagani herrlich tuntig gespielte Mutter Edna in der Kittelschurz, der etwas durchgeknallte, aber liebenswürdige Vater Wilbur (Claudius Freyer) und eine großartig singende Motormouth Maybelle (Monica Lewis-Schmidt). Das Live-Erlebnis wird durch die routiniert aufspielende Bigband des bulgarischen Rundfunks im Orchestergraben unter der musikalischen Leitung von Heiko Lippmann bestens ergänzt.

Die Geschichte funktioniert an sich schon als gute Unterhaltung. Deshalb gilt das Musical als eines der erfolgreichsten aller Zeiten: Armes, dickes Mädchen verwirklicht ihren amerikanischen Traum, kämpft gegen Diskriminierung der Schwarzen und findet nach einem Konflikt die Liebe ihres Lebens. Das Ganze locker, flockig, temporeich und mit einem Augenzwinkern unter der Regie von Katja Wolff inszeniert. Die Dialoge sind deftig und mit Blick auf manche Castingshow immer aktuell. Produzentin Velma bezeichnet Tracy als „pummelige Kommunistengöre“ und gibt ihren Teenie-Stars gute Ratschläge: „Spar’ Dir dein Privatleben für die Kamera auf“ oder „Ab auf die Besetzungscouch“.

Die Musik spielt eine Hauptrolle. Motown, Rhythm and Blues, Rock’n’Roll, bestimmen den Rhythmus, jede Menge Haarspray in toupierten Frisuren, kurze Röcke und bunte Farben das Aussehen dieser Zeit und somit auch das Treiben auf der Bühne. Das Bühnenbild ist mit einem übergroßen, leuchtenden Rahmen eines Fernsehers, aus dem die Darsteller auftreten und verschiebbaren Podesten eher zurückhaltend. Es lässt den Akteuren den Vortritt und das ist gut so. Mit dem Theaternebel hätten die Macher etwas sparsamer umgehen können. Insgesamt ist Hairspray aber ein großes Vergnügen, und die Besucher in der voll besetzten Stadthalle Singen hält am Ende nichts mehr auf den Sitzen.

Mit dem Musical Hairspray begann der neue musikalische Ring in der Stadthalle Singen, der insgesamt aus vier Aufführungen besteht. Die nächste findet am 18. Februar, ab 19 Uhr statt. Dann wird die musikalische Komödie „Bauch, Beine, Po“ von Dietmar Loeffler aufgeführt. Die Reihe der Opernaufführungen in der Stadthalle durch das Theater Pforzheim wird am 2. März um 20 Uhr mit Gioachino Rossinis „Barbier von Sevilla“ fortgesetzt. Mit ihrem Programm Shadows in Motion ist die John Lehrer Dance Company am 22. April ab 20 Uhr zu sehen. Karten gibt es im Internet, bei der Tourist Information Singen oder bei allen anderen Reservix-Vorverkaufsstellen.

Preisgekrönt
Das Musical Hairspray wurde mit insgesamt 31 internationalen Preisen ausgezeichnet. Darunter waren auch acht Tony Awards, unter anderem in den Kategorien Bestes Musical, Beste Originalmusik, Bester Darsteller und Beste Darstellerin in einem Musical. Kein Wunder, denn Hairspray-Komponist Marc Shaiman schrieb auch die Musik zu verschiedenen bekannten und erfolgreichen Kinofilmen wie beispielsweise Sister Act, Harry und Sally, Schlaflos in Seattle und Club der Teuflinnen. Außerdem arbeitete er mit weltberühmten Star-Sängern wie Bette Midler, Eric Clapton und Barbra Streisand zusammen. Die Musicalverfilmung von Hairspray aus dem Jahr 2007 mit John Travolta als Mutter Edna zählt zu den erfolgreichsten Musicalfilmen aller Zeiten. Im Jahr 2002 wurde Hairspray am New Yorker Broadway im Neil Simon Theatre uraufgeführt. Dort wurde es bis 2009 mit mehr als 2500 Vorstellungen gespielt. Die Uraufführung des Musicals in deutscher Sprache fand im Jahr 2008 im Theater St. Gallen in der Schweiz statt.

Quelle: Südkurier