"Leo stellt die Welt auf den Kopf"

Meldung vom 23.10.2020
Der Künstler hängt ab, ein Bein auf dem Tisch. Die Schwerkraft scheint für ihn nicht zu existieren, wie er in der Stadthalle Singen eindrucksvoll demonstriert. Bild. Manuela Fuchs

Südkurier: Spinnengleich krabbelt er Wände entlang und fällt auch nicht von der Decke. Tobias Wegner scheint die Schwerkraft aufzuheben

VON MANUELA FUCHS

Es ist stockdunkel im Raum und selbst als sich der Vorhang öffnet, bleibt es noch eine ganze Weile so. Plötzlich fällt Scheinwerferlicht auf die Bühne und gibt den Blick frei auf einen kleinen Raum, in den man von oben hinab sehen kann und in dem sich Leo aufhält. Und dann ist da noch ein großer Raum, drei Wände, ein roter Boden und eine Decke. Mittendrin ist ebenfalls Leo, der scheinbar mühelos die Wände hochgeht und dabei die absurdesten Verrenkungen vollführt.

Tobias Wegner, Absolvent der renommierten École Supérieure des Arts du Cirque in Brüssel, verblüfft das Publikum in der Stadthalle Singen mit schier unglaublichen Tricks, die die Schwerkraft narren. Tatsächlich agiert Leo nur in dem kleinen Raum, der große Raum, der die volle Aufmerksamkeit der Zuschauer auf sich zieht, ist eine Liveprojektion, deren Spiegelung um 90 Grad gedreht ist und auf diese Weise die Wahrnehmung der Zuschauer zu täuschen versteht. Die Gäste amüsieren sich großartig, wenn Leo die Backen aufbläst, als würde er einen Ballon mit Luft füllen, während sich sein Hinterteil vom Boden abhebt und er in sitzender Position mit den Füßen an der Wand hochläuft. Egal, ob er Handstand auf einem Finger macht, an der Wand sitzt und Saxofon spielt oder kopfüber herunterhängt, die mehrfach preisgekrönte Ein-Mann-Show zieht das Publikum von Anfang an in seinen Bann.

Und dazu braucht es gar nicht viel. Leo spricht nicht. Seine Requisiten sind auf einen Hut und einen Koffer reduziert. Aber wenn er die kahlen Wände des Zimmers mit Möbeln einrichtet, die lediglich aus Kreidezeichnungen bestehen, wenn er seine ebenfalls gezeichneten Haustiere lebendig werden, oder einen Wal durchs geflutete Zimmer schwimmen lässt, dann sind die Zuschauer begeistert. Die mit enormem technischem Aufwand erzeugten Tricks verblüffen und faszinieren gleichermaßen. Am Ende verschwindet Leo durch seinen Koffer, der am Boden steht, leise und unspektakulär, so wie eine Spinne in einer Bodenritze verschwinden würde.

Quelle: Südkurier


Diese Webseite verwendet Cookies. Durch die Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Datenschutzerklärung X