"Kulturförderkreis bleibt im Takt"

Meldung vom 26.11.2018
Die Bigband des Friedrich-Wöhler-Gymnasiums in Singen unter Leitung von Hartmut Kasper gewann einen Förderpreis des Kulturförderkreises Singen Hegau. Bild: Sabine Tesche

Südkurier: Kulturförderkreis Singen/Hegau zeichnet in der Stadthalle Singen FWG-Bigband, Blasmusikverband, den Singener Frauenchor, Bezirkskantor Georg Koch und das Kunstprojekt Arte Romeias aus.

VON MATTHIAS BIEHLER

Das Kulturleben unter dem Hohentwiel muss vielfältig sein: Als der Kulturförderkreis Singen/Hegau zur traditionellen Preisverleihung in die Stadthalle Singen gerufen hatte, war die große Bühne manchmal fast zu klein, für die unüberschaubare Zahl an ausgezeichneten Künstlern. Dabei wurde deutlich, dass der Kulturschwerpunkt des Jahres 2018 "Singen im Takt" lautete. Vier von fünf Preisträger werden für ihre musikalischen Erfolge ausgezeichnet: Zwei mit 1500 Euro dotierte Förderpreise gehen an den Blasmusikverband Hegau-Bodensee (BHB) und die Bigband des Friedrich-Wöhler-Gymnasiums zur Förderung der Jugendarbeit, zwei mit 1000 Euro dotierte Anerkennungspreise an den Frauenchor Singen und Bezirkskantor Georg Koch. Ein weiterer Anerkennungspreis geht an das Kunstprojekt Arte Romeias der Baugenossenschaft Hegau.

Die Kulturförderkreisvorsitzende Urula Graf-Boos versprach einen Abend voller Überraschungen, Singens Oberbürgermeister Bernd Häusler kündigte nach dem Dank an die ehrenamtliche Arbeit der Kulturpreis-Macher gar ein Wochenende voller Kleinkunst an: "Vor 50 Jahren wurde der Hohentwiel wieder ein Teil von Singen. Das soll mit einem zweitägigen Burgfest gefeiert werden", gab er bekannt.

Angelika Berner-Assfalg drehte in ihrer Laudatio die Zeit weit zurück: 1994 sollte ein junger Cellist bei der Ostermesse in Gottmadingen aushelfen. Der junge Mann sagte zu und in jenem Orchester saß auch ein – für ihn – älterer Herr am Kontrabass. Im September des gleichen Jahres kam er als frischgebackener Referendar mit den Fächern Musik und Erdkunde ans Friedrich-Wöhler-Gymnasium und der ältere Herr aus dem Orchester entpuppte sich als sein neuer Schulleiter - Hans Zimmermann. Zimmermann beauftragte den neuen Kollegen Hartmut Kasper, ein Orchester an der Schule auf den Weg zu bringen. Es meldeten sich ein Schlagzeuger, ein Gitarrist und ein Klavierspieler – und so wurde es statt eines klassischen Orchesters eine Bigband. "Da wir uns mittlerweile im 25. Jahr der Big Band vom Friedrich-Wöhler-Gymnasium befinden, waren wir der Meinung, dass dieses Engagement von Hartmut Kasper mit einem Förderpreis gewürdigt werden sollte", erklärte Berner-Assfalg.

Einen Anerkennungspreis geht für das Kunstprojekt Arte Romeias 2017 an Jörg Lillich. Der Dozent im Fachbereich Literaturwissenschaft an der Uni Konstanz wurde von Axel Nieburg, Geschäftsführer der Baugenossenschaft Hegau, mit der Organisation des Projektes betraut. "Gemeinsam haben sie die Verbindung zwischen ungezügelter Kreativität und der richtigen künstlerischen Übersetzung verkörpert", so Laudatorin Carmen Frese-Kroll. Dadurch konnte ein einzigartiges Kunstprojekt in Singen umgesetzt werden. Der Schlüssel zum Erfolg sei die Vermittlung zwischen Menschen, die Kunst leben, und denen, die eher keinen Bezug zur Kunst haben, gewesen. "Dadurch konnte die Kunst mit Jedem kommunizieren, zu Jedem sprechen", so Frese-Kroll. Die große Akzeptanz zeigte sich beim Publikum, welches in großen Zahl das Kunstprojekt besuchte. "Sie, Herr Lillich, haben mit Ihrem Team die Menschen und die Stadt Singen auf vielerlei Hinsicht bereichert und deswegen freuen wir uns, dass wir an diesem außergewöhnlichen Kunstprojekt teilhaben konnten und wir Ihnen, Herr Lillich, den Anerkennungspreis überreichen dürfen."

Schon in seinem Leitbild hat es der Blasmusikverband Hegau-Bodensee festgeschrieben: „Die Jugend ist unsere Zukunft“. In diesem Sommer hat der Verband das 125-jährige Jubiläum mit einem großartigen Fest in Singen gefeiert – und dabei gezeigt, dass er trotz großer Tradition bis heute jung geblieben sei, wie Laudator Siegfried Worch betonte: "Auffallend hoch ist der Anteil jugendlicher Mitglieder, zirka 60 Prozent sind unter 27 Jahre und davon 40 Prozent unter 18 Jahre alt." Dies hat der Verband bei der Preisverleihung eindrucksvoll demonstriert: Knapp 60 junge Musikerinnen und Musiker strebten auf de Bühne, um mit ihrer Musik das Publikum zu begeistern und als die Pop-Klassiker von Micheal Jackson erklangen, wippte nicht nur der Bläsernachwuchs begeistert mit den Füßen. "Für den musikalischen Auftritt heute Abend haben sich junge Musiker aus den Vereinen Bohlingen–Bankholzen–Überlingen am Ried und Friedingen–Beuren unter der Leitung von Mareike Knopf und Karl Schwegler zusammengefunden", so Worch. Sie erhalten für ihre Jugendarbeit einen Kulturförderpreis in Höhe von 1500 Euro.

Ausgezeichnete Töne versteht auch Bezirkskantor Georg Koch den Orgeln – nicht nur im Hegau – zu entlocken. Laudator Manfred Lehn zitierte Johann Sebastian Bach, um das Geheimnis des Orgelspiels zu erklären: "Alles, was man tun müsse, sei, die richtige Taste zum richtigen Zeitpunkt zu treffen." Wie viel Geschick dazu gehört, weiß Georg Koch und demonstrierte seine Fertigkeit auf der eigens in die Stadthalle transportierten Orgel. Dabei zog er alle Register. "In diesem Fall sind es aber nur vier", scherzte der Preisträger und verzauberte virtuos das Publikum. "Herzlichen Glückwunsch zum Anerkennungspreis des Kulturförderkreises Singen Hegau", so Lehn.

Stephan Glunk erinnerte als Laudator an ein an musikalischen Höhepunkten so reiches Jahr in Singen. Ein Mosaikstein dabei sei der Frauenchor Singen gewesen, der im letzten Jahr sein 25-jähriges Bestehen feierte. "Die Ursprünge des Frauenchors liegen in einem musikalischen Projekt, das der unvergessene Heinz Bucher, Dirigent des Männerchors Konkordia, im Herbst 1981 anging. Es gelang ihm damals, immerhin 80 Sängerinnen für ein gemeinsames Konzert mit der Konkordia zu gewinnen, und die dann aufgeführte Operngala begeisterte nicht nur das Publikum, sondern eben auch Heinz Bucher und seine Sängerinnen dergestalt, dass alle miteinander beschlossen, einen Frauenchor zu gründen", erzählte Glunk vor großem Publikum in der Stadthalle. 1992 war es soweit: der Frauenchor Singen wurde aus der Taufe gehoben. 2018 wird das musikalische Wirken ausgezeichnet. Mit einem schwungvollen Kurzprogramm von Abba bis Advent belohnten die Preisträgerinnen das Publikum, das bis spät am Abend in der Stadthalle ausgeharrt hatte.

Die Worte der Laudatoren
Stephan Glunk: "Um einen der Chöre, die uns bei der Nacht der Chöre so fasziniert haben, geht es heute Abend. Mit dem Anerkennungspreis an den Frauenchor Singen anerkennt der Kulturförderkreis den großartigen Beitrag zum musikalischen Leben."

Manfred Lehn: "Bewundernswert ist Georg Kochs Fähigkeit im ansonsten ernsten Kirchenlied fast unbemerkt einen Gag einzubauen wie kürzlich den bekannten Deep-Purple-Gitarrenriff von "Smoke on the Water."

Angelika Berner Assfalg: "Wie jede AG hat die Big Band natürlich jedes Jahr mit dem Ausscheiden routinierter und erfahrener Schüler infolge Abitur zu kämpfen. 2016 bestand die Band fast nur noch aus ihrem Bandleader Hartmut Kasper. Aber Aufgeben war nie seine Option. Und wenn man sein lebhaftes, humoriges und gestenreiches Dirigat während der Probenarbeit erlebt, macht er seinem Namen bisweilen alle Ehre."

Siegfried Worch: "Das besondere Augenmerk des Blasmusikverbandes Hegau-Bodensee (BHB) richtet sich auf die Ausbildung der Jugend und die soziale Integration der jungen Musiker in die Musikvereine, mit dem Ziel eines lebenslangen Musizierens in der Gemeinschaft."

Carmen Frese-Kroll: "Arte Romeias! Hinter diesen zwei zusammengesetzten Worten verbirgt sich zum Einen die Romeias-Straße in Singen und zum Anderen das Wort „Arte“, welches übersetzt soviel wie Kunst oder Kunstfertigkeit bedeutet."

Quelle: Südkurier

InCITI-Bildergalerie von Wolfgang Schneble


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