"Künstliche Welten öffnen sich moralischen Werten"

Meldung vom 08.02.2018
Pilot (Guido Weber) und kleiner Prinz (Moritz Bierbaum) begegnen sich das erste Mal in der Wüste nach dem Flugzeugabsturz. Wie vom Himmel gefallen, ist der kleine Prinz plötzlich da. Bild: Hayo Eckert

Südkurier: Der kleine Prinz beeindruckt in der Stadthalle Singen als multimediales Musical-Erlebnis

VON HAYO ECKERT

Die Musical-Fassung von Deborah Sasson und Jochen Sautter zu Antoine de Saint-Exupérys poetischer Märchenerzählung "Der kleine Prinz" eröffnet den Zuschauern die Welt des multimedialen Bühnenbildes. Filmische Komponenten, Animationen und 3D-Effekte sind Teil der Inszenierung und erzählen zusätzlich in Bildern. Die eher begrenzten Bretter, die die Welt bedeuten, werden um eine neue Dimension erweitert. Die Reise des kleinen Prinzen von Planet zu Planet, bis zur Erde wird anschaulich und erlebbar. Handlung, Tanz und Gesang sind eingebettet in den multimedialen Rahmen. Die neunjährige Louise Kohl findet es toll. "Für Kinder ab diesem Alter passt es", ergänzt ihr Vater Thomas Kohl. Die Aufführung ist bunter, lebendiger. Das sehr visuelle Bühnenbild kommt bei den Kindern gut an. Auch die zehnjährige Antonia Wieland ist begeistert von der multimedialen Action und dem Tanz. "Ich habe sie vorher auf die Geschichte vorbereitet", sagt ihre Großmutter Uschi Wieland. Das ist sicher sinnvoll: Erzählung und Musical sind durchaus tiefgründig.

Die Inszenierung lebt nicht allein durch multimediale Effekte. Gefühlvoll, fast zart, interpretiert der 25-jährige Moritz Bierbaum die Rolle des kleinen Prinzen. Choreografie, Musik und Libretto ergeben ein einfühlsames, emotionales, dennoch spritziges und modernes Musical. So hebt auch die elfjährige Lara den Daumen zum Ausdruck ihrer Begeisterung. Besonders habe ihr die Darstellung des Königs gefallen, der alleine auf einem Planeten lebt. Eine Figur, die streng, gar herrisch und mit militärischem Ausdruck von Ari Gosch verkörpert wird. Eine besondere Nuance verleiht das zehnköpfige Orchester der Aufführung.

Deren meist gefühlvolle, klassische Weisen ergänzen sich mit den übrigen Kompositionen und Sound-Effekten. Auch beim Bühnenbild findet sich eine Harmonie zwischen den greifbaren Requisiten, zum Beispiel dem Flugzeugwrack, und der virtuellen Gestaltung. Mit all ihren verschiedenartigen Komponenten bleibt die Inszenierung nahe an Saint-Exupérys Erzählung und deren fast philosophischen Gedanken zu Freundschaft, Menschlichkeit, Vertrauen und Liebe. Emotional, fast traurig, endet auch das Musical: Der auf der Erde einsam gebliebene, melancholische kleine Prinz verabredet sich mit der Schlange zum tödlichen Biss. Der Beginn einer langen Reise.

Vielleicht ist Exupérys Geschichte aus dem Jahr 1943 eine Mahnung an unsere allzu dingliche, oberflächliche und schnelllebige Zeit. "Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche bleibt unsichtbar für die Augen", mag eine nachdenklich stimmende Botschaft sein. Exupérys Erzählung ist weit mehr als ein Kinderbuch. Die vielschichtige Handlung zieht Erwachsene gleichfalls in ihren Bann. Auch das Musical findet generationsübergreifend Anklang. Bei der Aufführung in Singen sind die Erwachsenen in der Mehrzahl. In anderen Spielorten, besonders in Österreich, seien hingegen sehr viele Kinder unter den Zuschauern gewesen, sagt die Tournee-Leiterin Lidia Shlapik.

Quelle: Südkurier


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