"Ist die Welt noch zu retten?"

Meldung vom 21.03.2018
Gruppenbild mit Dame: Die Akteure und Sponsoren des siebten Singener Wirtschaftsforums posieren fürs Erinnerungsfoto im Foyer der Stadthalle. In der Mitte Vaude-Chefin Antje von Dewitz, die für nachhaltiges Wirtschaften steht. Bild: Sabine Tesche

Südkurier zu den Workshops beim Wirtschaftsforum Singen

VON GUDRUN TRAUTMANN

Das siebte Wirtschaftsforum in Singen beschäftigte sich mit dem Thema Nachhaltigkeit. Die Workshops waren restlos ausverkauft. Der Philosoph und Buchautor Richard David Precht und Antje von Dewitz, Firmenchefin von Vaude fordern Bewusstseinswandel in der Gesellschaft.

Das Wirtschaftsforum hat einen gewissen Promifaktor, nachdem Joachim Gauck 2012 als Redner nach Singen kam. Auch bei der siebten Auflage ist es den Veranstaltern um Reinhold Maier gelungen, mit dem Philosophen Richard David Precht und der Chefin des Outdoor-Ausstatters Vaude, Antje von Dewitz, für den Kongress zwei Zugpferde zu gewinnen, die für den gesellschaftlichen Wandel stehen. Zentrales Thema war diesmal die Nachhaltigkeit. Doch was ist das überhaupt? Wo lässt sich dieser Begriff anwenden? Wie erklärt man einem fünfjährigen Kind Nachhaltigkeit? Neun Workshops beschäftigten sich mit den Fragen. Dabei ging es sowohl um globale Zusammenhänge, als auch um die praktische Umsetzung in der modernen Lebens- und Arbeitswelt.

Antje von Dewitz ist die Vorzeigeunternehmerin, wenn es um Nachhaltigkeit geht. Sie erklärt nicht nur den fairen Herstellungsprozess der Sport- und Funktionsartikel bei Vaude, sondern auch die neuen Arbeitsprozesse, die die Lebensbedingungen junger Familien berücksichtigen. "Von unseren 500 Beschäftigten arbeiten 50 Prozent in Teilzeit. In den Führungspositionen haben wir 40 Prozent Frauen", erzählt die Unternehmerin. Sie selbst war schwanger, als sie in die Firmenleitung einstieg und kann sich in die Situation junger Familien hineinversetzen. "Wir haben im Betrieb 50 Leute in Elternzeit." Die Arbeitsprozesse zu organisieren, sei eine Herausforderung. Aber es lohne sich. Die klassische Hierarchie sei selbstverantwortlichen Teams gewichen. Die Suche nach individuellen Lösungen setze nicht nur Motivation, sondern auch Kreativität frei. Vom Singener Wirtschaftsforum erwartete Antje von Dewitz auch für sich Motivation und Impulse.

Aus dem gleichen Grund waren die Besucher zur Tagung gekommen. Sie suchten Kontakte und wünschten sich Anregungen. Auch von Richard David Precht, dem Philosophen und Buchautor. Mit satter Verspätung (Flugzeug und Taxi waren Schuld) stieg er fast atemlos in seinen Workshop ein. Da sind die Teilnehmer längst mitten in der Diskussion. Gleich ist Precht bei seinen Paradethemen, der Kritik am Schulsystem und dem ruinösen Umgang mit fossiler Energie. "Nachhaltigkeit lässt sich nicht in Schulfächer einteilen", so eine seiner zahlreichen Thesen. Artig stellen die Teilnehmer ihre Fragen, zum Beispiel nach den Folgen der Digitalisierung. Die Antworten folgen im Stakkato. "Wenn wir so weiter machen, gibt es die Erde in 100 Jahren nicht mehr", warnt Precht in kleiner Runde. Am Abend dann auf großer Bühne lauschen ihm 820 Besucher.

Die Akteure
Das siebte Wirtschaftsforum in der Singener Stadthalle beschäftigte sich mit dem Thema Nachhaltigkeit. Die neun Workshops unter der Leitung von Vaude-Chefin Antje von Dewitz, dem Philosophen Richard David Precht, dem Geschäftsführer des Bregenzer Festpielhauses, Gerhard Stübe, und dem Geschäftsführer von Bodensee-Vorarlberg-Tourismus Urs Treuthardt waren ausgebucht. Auch für den Abendvortrag mit Diskussion unter der Leitung der SÜDKURIER-Redakteure Johannes Bruggaier und Torsten Lucht gab es keine Karten mehr. Hauptsponsor war wieder die Volksbank Schwarzwald Baar Hegau. Der SÜDKURIER ist Medienpartner des Wirtschaftsforums.

Quelle: Südkurier