"Ist Willy Astor in den Wechseljahren?"

Meldung vom 21.01.2019
Der Ansturm ist groß: Willy Astor nimmt sich in der Pause und nach der Vorstellung Zeit zum Signieren und für kurze Gespräche mit den Zuschauern. Bild: Susanne Gehrmann-Röhm

Südkurier: Münchner Kabarettist begeistert in der Stadthalle Singen

VON SUSANNE GEHRMANN-RÖHM

Es war zwar nicht sein erster Auftritt vor einem Melonenpublikum, aber dafür der erste Auftritt in Singen. Wortakrobatik vom Feinsten – das ist das Markenzeichen von Willy Astor. Praktisch vor ausverkauftem Haus in der Stadthalle präsentierte er auf Einladung von Vaddi Concerts sein aktuelles Programm "Jäger des verlorenen Satzes – das neue Programm für Wortgeschrittene".

Nun wissen wir also endlich, wo es die besten Kräuter gibt – im Basilikum Valley, wie er in seinem Kräuterlied textet. Empfehlenswert übrigens auch das Video dazu auf seiner Facebook-Seite, das zusammen mit der Band LaBrassBanda aufgenommen wurde. Auch erfahren wir, dass Erdogan eine deutsche Stadt gekauft hat und diese nun "Neustadt an der Ayse" heißt und es inzwischen Islamhandys mit beschnittener Antenne und verschleiertem Display gibt. Und Hugo Boss habe den Verein Borussia Dortmund gekauft und in Bossporuss umgetauft. Sein neuestes Kunstwerk, das einen Wal darstellt, zeigt er gern zwei Mal in einer Walwiederholung ins Publikum.

Singen sei seine Lieblingsstadt und das sei nicht geheuchelt, behauptet er. Da er sehr gern das Publikum einbezieht, kommt ihm später am Abend auch mal ein Wörtchen mit einem "sch" entgegen, wo nur ein "s" geschrieben wird. Das isch der Dialekt der Einheimischen hier im Hegau, Herr Astor. Keine Sorge, wir sagen deshalb jetzt nicht "Herr Aschtor" zu Ihnen. Denn das würde er gar nicht gut finden, wie sich herausstellt. Und der Rhein hat nix mit Singen zu tun, dafür aber die Aach, die in dem Städtchen Aach entspringt, aus dem ein Mann in der ersten Reihe kommt, was zunächst bei Willy Astor auf Unverständnis stößt. Weil er Aach nicht kennt, sowohl den Fluss wie auch die Stadt. Anfangs nimmt er gern mal die bunten Outfits von Zuschauern in der vorderen Reihe ins Visier. Später, als er immer mal wieder, wegen Fallwinden auf der Bühne, sein Sakko aus oder anzieht, wirft eine Frau ein, das seien die Wechseljahre. Da wird der Mann nachdenklich: "das macht was mit mir", erklärt er spontan.

Aus seiner CD "Kindischer Ozean – Lauschliedergeschichten aus dem Einfallsreich" singt er "Ich bin ein Hängereh", sehr zur Freude von Silvia Riedinger aus Gottmadingen. "Ich habe die CD zu meinem 40. Geburtstag bekommen und lasse sie heute signieren", sagt sie in der Pause. Mit ihrer Tochter Rebecca (7) hört sie die CD sehr gern, sagt sie.

Sehr lustig sind auch seine Medleys, in denen Welthits umgetextet werden. Wenn er die Liebste fragt: "Ich hoffe, du freust dich, Schatz, wenn ich mit dir bei Esso ess (frei nach SOS von Abba). Ein Medley für alle schwer erziehbaren Senioren folgt nach der Pause. Zum Brüllen dabei die Passage, als der Opa reanimiert wird und prompt mit einem "Hello Again" aus dem Koma erwacht. Ebenfalls die Tränen in die Augen treibt der neue Text des Hits "Life is life", der nach einem Gebrauch von zu viel Viagra in "Steif ist steif" mündet. Für die Jüngeren hat er auch eine Nummer, nämlich "Pubertier is in the house" und zieht vielleicht auch nie mehr aus.

Das Publikum wird am Ende nochmal gefordert und soll eine Geschichte mit passenden Vornamen sinnvoll ergänzen. Was sich teilweise als schwierig erweist. Weil da so Dinge wie "13 mit Klamotten und Simone" oder "Geld spiel Carol" gefragt waren. Absurd schön! Astor-like eben. Ganz am Schluss schlägt er mit dem Instrumentalstück "Nautilus" noch ganz leise Töne an. Perfekt!

Zur Person
Willy Astor (Jahrgang 1961), wuchs im Münchner Stadtteil Hasenbergl auf. 1976 machte er zunächst eine Werkzeugmacherlehre bei BMW und danach eine Ausbildung zum Maschinenbautechniker. Mit 14 Jahren begann er mit dem Akkordeonspiel, ab 1977 kam die Gitarre dazu. Seit 1983 schreibt er Songs und Prosatexte, die zunächst auf Bühnen in der Münchner Kleinkunstszene aufgeführt wurden. Von 1990 bis 2000 arbeitete er bei Antenne Bayern und ist Autor der Comedy-Serie "Die Feuchtgrubers". 1998 komponierte er den FC-Bayern-Song "Stern des Südens".

Quelle: Südkurier


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