"Glückwunsch ohne Worte"

Meldung vom 21.10.2017
Bieten eine faszinierende Show aus Musik und Akrobatik: Die 'Company 2' aus Australien bei ihrem Auftritt am Donnerstagabend in der Stadthalle Singen. Bild: Sabine Tesche

Südkurier: Die Stadthalle Singen gibt es seit zehn Jahren. Statt Festreden gab’s zum Geburtstag eine mitreißende Show.

VON TORSTEN LUCHT

Seit zehn Jahren gibt es die Stadthalle Singen und allemal wäre das der Rede wert. Denn obwohl bei dieser Zeitspanne üblicherweise kaum von einem Jubiläum gesprochen werden kann, handelt es sich doch um eine Zäsur: Die Stadthalle steht symbolhaft für den Aufbruch Singens in eine neue Ära, in der Kultur und Tourismus neben der Rolle als bedeutendem Wirtschaftsstandort zu einer tragenden Säule im Selbstverständnis der Stadt entwickelt werden soll. Wie gut das gelungen ist, zeigt sich vor allem beim Vergleich mit den Nachbarstädten: Mit Bravour etablierte sich die Singener Stadthalle neben dem seit Jahrzehnten im Veranstaltungs-, Messe- und Kongresssegment platzierten Radolfzeller Milchwerk und wie anders so ein Neustart im Übrigen verlaufen kann, lässt sich am Beispiel des Konstanzer Bodenseeforums besichtigen.

Bei der Feier am Donnerstagabend jedoch gab es keine Reden von Funktionsträgern und sie gelang ohne Worte sogar besser. Die Mannschaft um Geschäftsführer Roland Frank hatte bereits am Eingang mit einer pantomimischen Begrüßung für etwas Besonderes gesorgt. Ausgestattet mit clownesken Pappmaché-Maskierungen sorgten als Service-Personal verkleidete Darsteller ab der Schwelle zur Stadthalle für eine Ahnung, was zu den primären Aufgaben des Orts zählt: Es ist eine Welt für sich, in der man bei Theater, Seminaren und Vorträgen oder etwa Konzerten Abstand zum Alltag gewinnt und die Chance zur Reflexion erhält. Nicht zu vergessen die kommunikative Funktion der Halle: Der grandiosen Bühnen-Show der aus Australien stammenden "Company 2" war ein Plauderstündchen im Foyer bei Sekt oder Selters vorangestellt.

Das Plaudern wurde wenig später durch Staunen ersetzt. Die Artisten aus Down Under sorgen ab 20 Uhr mit ihrem Programm "Scotch & Soda" für ein mitreißendes Spektakel, das weit mehr ist und für das doch keine Bezeichnung so richtig taugt. Denn was liefern die fünf Musiker und fünf Akrobaten da eigentlich ab: Varieté? Musical? Jazz-Party? Zirkus? Dazu macht die Truppe mit Lumpen und Phantasie-Uniformen reichlich Anleihen beim Genre des Kostüm-Fests, allein das Bühnenbild zeugt von einem eigenwilligen Inszenierungs-Feature und Erotik mit wahlweise knackigem Männer- oder Frauen-Po gibt's on top. Damit passt die "Company 2" in kein gängiges Kunstformat und gerade das macht den Abend zum Erlebnis.

Wer will, kann dies als wortlose Erklärung dafür nehmen, was die ersten zehn Jahre für die Programmmacher der Stadthalle geprägt haben dürfte: Manches wird ein riskanter Balance-Akt gewesen sein, der Anschein von Leichtigkeit muss auf strenger Trainingsdisziplin basieren und ohne die grundsätzliche Freude an der Bewegung und dem Experiment hätte es der Ort kaum zu seinem heutigen Status in der Stadt und der Region gebracht. Der Lohn gleicht dem der Künstler: Nach den artistischen und musikalischen Pirouetten und Höhenflügen verneigen sich die Artisten tief vor dem Publikum – das klatscht und ist glücklich über eine begeisternde Geburtstagsfeier.

Stadthalle Singen
Das Marketing der Stadthalle Singen wird seit Herbst 2007 von dem Team Kultur & Tourismus Singen wahrgenommen, dem als Geschäftsführer Roland Frank vorsteht. Als Bühne für Theater und Konzerte, für Vorträge, Kongresse und Messen sowie als Ort für größere Vereinsveranstaltungen wie etwa an der Fasnacht erfüllt sie vielfache Funktionen. Nach Angaben der Stadt sind 95 Prozent der Nutzer mit der Infrastruktur und Dienstleistung zufrieden.

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