"Fabian Dobler trifft ins Herz"

Meldung vom 12.03.2019
Als blinder Sänger will Adrian Black die Menschen berühren. Fabian Dobler (am Klavier) hat mit der stark an der Biographie des Opernsängers Douglas Yates (Mitte) ein mulitmediales Kunstwerk geschaffen, das die Besucher in der Singener Stadthalle tief ergriffen hat. Rechts im Bild Thomas Klees als Richard Hartner und Birita Adela Davidson als Isabella. Bild: Sabine Tesche

Südkurier zu "Comeback im Gegenlicht"

Ein multimediales Projekt vermittelt Oper und begeistert kurz nach der Uraufführung das Publikum in der Singener Stadthalle. Der Trick: Klassik und Videokunst verschmelzen zu einem ganz neuen Format.

VON GUDRUN TRAUTMANN

Die moderne Welt ist übervoll mit Musik. Nahezu überall werden die Menschen mit Klängen befeuert: In Kaufhäusern, in telefonischen Warteschleifen und selbst in Toilettenanlagen. Aber Oper? Was die einen in Verzückung bringt, erfüllt die anderen mit Abscheu. Passt das dramatische Fach des Musiktheaters noch in unsere Gegenwart? Wie lässt es sich vermitteln? Mit diesen Fragen hat sich der Singener Dirigent, Pianist, Autor und Komponist Fabian Dobler intensiv auseinandergesetzt und mit "Comeback im Gegenlicht" eine ganz neue Gattung geschaffen.

Die Geschichte ist schnell erzählt: Der junge amerikanische Opernsänger Adrian Black (Douglas Yates) steht kurz vor seinem ganz großen Durchbruch, als er erfährt, dass er in kurzer Zeit erblinden wird. Um sich die Handlungsorte und Spielstätten der großen Opern vorstellen zu können, bereist er die Metropolen Europas, solange er noch etwas sehen kann. Er will sich die Erinnerung bewahren, um mit seiner Vorstellungskraft weiterhin große Partien singen zu können. Doch er hat nicht mit der Missgunst seines ehemaligen Mitstudenten und Musikkritiker Richard Hartner (Thomas Klees) gerechnet. Der verhindert das Comeback des Sängers. Als Lehrer soll er angehende Opernsänger auf die Rollen vorbereiten, die er lieber selber singen möchte. Doch Black kämpft weiter, erlebt Rückschläge und singt sich dann doch zurück in die Herzen der Menschen. Dieses Erlebnis, diese Bestätigung, das Comeback, reicht ihm aus, um sich fortan als Lehrer zu betätigen.

Die Geschichte ist in den Grundzügen die Geschichte von Douglas Yates. Fabian Dobler hat sie aufgeschrieben und in Teilen verfremdet. Und Douglas Yates verkörpert sie nun selber auf der Bühne. Passend zu den Stimmungen der Handlung hat Fabian Dobler Teile aus Opern oder klassischer Programmmusik für ein ungewöhnlich besetztes Kammerorchester umgeschrieben: Violine (Irene Hausmann), Cello (Tim Ströbele), Kontrabass (Hans Eberhard Maldfeld), Klavier (Fabian Dobler), Gitarre (Luisa Marie Darvish Ghana) und Bandoneon (Antje Steen). Fein nuanciert, elegant, dramatisch und bestens aufeinander abgestimmt arbeiten diese Musiker zusammen. Das Bandoneon gibt dem Ensemble eine ganz besondere Note. Alleine diese Instrumentierung ist ein meisterhafter Kunstgriff. So kann man der Musik endlos lauschen.

Nun kommt zu Stimme und Kammerorchester eine dritte Dimension: das Großbild-Video von Stephan Boehme. Da sieht man drohende Berggipfel zur dramatischen Szene "Rex Tremende" aus Mozarts Requiem. Das Unheil bahnt sich an. Aber noch hat Adrian Black sein Augenlicht nicht verloren. Er verkörpert den Escamillo der Oper "Carmen". Ein Nebel legt sich über die Wahrnehmung, die Welt verschwimmt. Mit seiner schönen Baritonstimme erzählt Douglas Yates seine eigene Geschichte von der Leinwand. In einem gelben Porsche verliert er im Blindflug den Kontakt zur Straße und landet auf der Wiese. Die Singener erkennen den Hegau. Die Verzweiflung führt den Sänger schließlich an den Rand einer Staumauer. Doch er springt nicht.

Auf der Bühne spielt sein Widersacher, der Kritiker Richard Hartner, ein intrigantes Spiel. Doch er hat nicht mit seiner jungen Geliebten Isabella (Britta Adela Davidson) gerechnet. Sie entwickelt im Gesangsunterricht bei Adrian Black ungeahnte Fähigkeiten. In der Rolle des Don Giovanni wird er zum Galan. So erobert Douglas Yates nicht nur als Adrian Black sein imaginäres Publikum, sondern berührt auch die Zuschauer der Singener Vorstellung zutiefst.

Immer wieder lassen sich die Stadthallenbesucher zum Zwischenapplaus hinreißen. Bei dem Spiritual "My Lord, what a morning" werden die Augen feucht. Bei "I feel the spirit" klatschen sie sogar mit. Eine Konzert-Abonnentin bemerkt, dass sie in 27 Jahren noch nie so ein anrührendes Stück erlebt habe.

Woran mag das liegen? An der Authentizität der Handlung, an der klugen Zusammenstellung von Musik, Theater und Video, an der Zusammensetzung des exquisiten Sextetts und an den Leinwandbildern, die einen opulenten Kontrast zur sonst schlichten Bühnenausstattung bilden. – Dieses Stück ist ein besonderes sinnliches Erlebnis.

Neue Wege
Der gebürtige Singener Dirigent, Pianist, Komponist und Arrangeur Fabian Dobler beschäftigt sich schon länger mit Projekten, die die große Oper in kleiner Besetzung einem breiten Publikum näher bringt. So gelang ihm mit "Leporello Tagebücher" eine moderne Fassung der Mozart-Oper "Don Giovanni". Dobler gründete 2004 das Ensemble "Operassion", dem von Anfang an der blinde Opernsänger Douglas Yates und die preisgekrönte Bandenoenistin Antje Steen angehört. Mit Stephan Boehme holt sich Fabian Dobler in "Comeback im Gegenlicht" ein weiteres Medium in seine neueste Produktion. Große Videosequenzen entführen die Zuschauer und -hörer in die Welt des Films. Mit dem Euro-Studio Landgraf kommt das brandneue Stück nun auf die deutschen Bühnen.

Quelle: Südkurier


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