"Ein Kammerkonzert mit wilden Stürmen"

Meldung vom 02.03.2018
Das Fauré-Quartett Bild: Mat Hennek

Südkurier: Das Fauré-Klavierquartett zieht in der Stadthalle Singen in den Bann, weil es kein Risiko scheut

VON PATRICK BROSIG

Ein kaum wahrnehmbarer Ton, ein Klang aus dem Nichts, aufsteigend aus der Stille der Unterwelt. So beginnt Toshio Hosokawas Klavierquartett "The Water of Lethe", welches 2016 uraufgeführt wurde, eine Auftragskomposition des Fauré-Klavierquartetts, das nun in der  Stadthalle Singen gastierte. Wenn nach Hosokawas kompositorischem Konzept Musik der Ort ist, an dem sich Töne und Schweigen begegnen, dann ist Lethe, ein Fluss der durch die mythologisch griechische Unterwelt mäandert, der Ort, an dem sich Augenblick und Ewigkeit sowie Erinnern und Vergessen begegnen. Ein Ort, der vom Wahren, Unverborgenen in die vergessende Verborgenheit der Ewigkeit führt. Diese Vielschichtigkeit wurde musikalisch von Hosokawa durch starke Kontraste umgesetzt. Zu zarten, anschwellenden einzelnen Tönen gesellten sich Dissonanzen, schwebende Harmonien wurden zu leeren Klängen, auf minimalistisch intime Augenblicke folgten beinahe schon an Krach erinnernde, von den Musikern aufgeladene, aber vernebelte Stürme. So zogen die Mitglieder des Fauré-Klavierquartetts vom ersten Ton an das Publikum in den Bann dieses Klangabenteuers.

In Robert Schumanns Klavierquartett Es-Dur wiederum beeindruckte die Klangfülle und -weite, die sich selbst schon im leisen, intimen Anfang entfaltete. Hervorzuheben ist vor allem die Gestaltung des 3. Satzes, des Andante Cantabiles. Cellist Konstantin Heinrich reichte das fließende Thema auf natürliche Weise weiter an die Geigerin Erika Geldsetzer. Auch Sascha Frömbling, Viola, und Dirk Mommertz, Klavier, übernahmen zentrale Rollen. Im Finale jedoch fehlte Glanz, es wirkte recht matt.

Nach der Pause gab es eine der vielen Bearbeitungen von Mussorgskys Klavierwerk "Bilder einer Ausstellung"; dieses Mal von Grigorij Gruzman und dem Fauré-Quartett für Klavierquartett eingerichtet. Durch die Bearbeitungen gewonnen haben vor allem die "Promenades", sie entwickelten durch wechselnde Besetzungen und Spielweisen sehr individuellen Charakter. Leider verlor die Musik durch das Arrangement und die vielleicht auch bisweilen etwas experimentelle Spielweise sowie vereinzelte intonatorische Probleme seine weittragende, vielschichtige orchestrale Wirkung. Abwechslungsreich hingegen wirkte die Gestaltung der "Hütte der Baba Yaga". Beim "Großen Tor von Kiew" wirkte die Musik jedoch etwas gehemmt, mit angezogener Handbremse. Überzeugend jedoch war die Verschmelzung der Einzelklänge der Musiker, hohe Präzision im Zusammenspiel sowie Kommunikation unter den Quartettmitgliedern.

Quelle: Südkurier

 

 

 


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