"Die Musik hat mich gefunden"

Meldung vom 03.12.2018
"Das Phantom der Oper": Deborah Sasson in der Rolle der Christine. Bild: Marco Müller

Südkurier-Interview: Sagen Sie mal, Frau Sasson, wieso haben Sie sich der Musik verschrieben? Musical-Star Deborah Sasson wird in der Stadthalle Singen mit drei verschiedenen Produktionen gastieren.

VON NICOLA M. WESTPHAL

Frau Sasson, was fasziniert Sie an der Musik?

(lacht). Das ist eine gute Frage. Ich denke, es kam für mich nie etwas anderes in Frage, als Musik zu machen. Ich komme aus einer musikalischen Familie, mein Vater war Ire meine Mutter Italienerin. Mit meinem Opa habe ich Opern auf Schallplatten gehört. Ab da war für mich klar: Ich will auf die Opernbühne. Als ich jedoch am Broadway zum ersten Mal "West Side Story" sah, habe ich mich in das Musical verliebt. Zehn Jahre später stand ich dann selbst mit "West Side Story" in Hamburg auf der Bühne. Ich denke, nicht ich habe mir die Musik ausgesucht, sondern die Musik hat mich gefunden.

Leonard Bernstein hatte Sie nach ihrem Debüt am Broadway an die Hamburger Staatsoper für "West Side Story" vermittelt. Wie kam es dazu?

Das ist eine lange Geschichte. Ich habe als Kind in den USA in Brooklyn gewohnt und Jenny Bernstein, seine Mutter, kennengelernt, die in der Nähe lebte. Ich war ein paar Mal bei Ihr und sie hat mir damals Brownies und heiße Schokolade gegeben. Jahre später, ich kam gerade von einer Tournee aus Japan zurück, bin ich in New York gelandet und habe dort Freunde getroffen. Die haben mir erzählt, dass am selben Tag ein Vorsingen bei Leonard Bernstein für "West Side Story" stattfinden würde. Spontan bin ich dort hin, habe mich im Taxi geschminkt, um bei Ankunft zu erfahren, dass man, um vorzusingen, einen Agenten brauche. Ich habe dann gesagt, ich kenne aber Jenny Bernstein persönlich. Und dann wurde ich zu Leonard vorgelassen. Das war der Beginn meiner Karriere.

Wie wichtig sind solche Kontakte?

Dieser Kontakt hat wahrhaft mein Leben verändert, aber was wohl viel wichtiger für eine Karriere ist: Talent, Glück und vor allem konstant zu bleiben, niemals aufzugeben, sich auf seinem Weg nicht entmutigen zu lassen.

Sie sind ständig auf Reisen. Wonach sehnen Sie sich, wenn Sie doch einmal zu Hause sind?

Nach „Grün“ (lacht). Beruflich bin ich meist in großen Städten unterwegs, daher wohnen wir bewusst ruhig, südlich von Frankfurt, in einer sehr schönen Gegend. Ich pflege meine Rosen. Das klingt langweilig, aber es hilft mir, mich zu entspannen. Wir haben auch ein Haus in Spanien mit herrlichen Mango-, Zitronen- und Orangenbäumen, die ich pflege. In einer solchen Umgebung kann ich besonders kreativ sein. So habe ich in Spanien das Drehbuch für "Der kleine Prinz" geschrieben.

Wie hebt sich Ihre Version des Bühnenstücks von anderen ab?

Ich habe mit meinem Kollegen Jochen Sautter eine Bühnenadaption geschrieben, die die Zuschauer auf eine ganz neue Weise in die wunderbare Geschichte des kleinen Prinzen entführt. Das kolossale Bühnenbild hat ein Kollege aus der New York Metropolitan Oper entworfen und es wurde in Bonn gebaut. Außerdem arbeiten wir mit einer 3-D-Technik, die noch einmal neue Möglichkeiten bietet. So wachsen zum Beispiel dem kleinen Prinzen mithilfe von interaktiven Videoprojektionen Flügel.

In Ihren Produktionen legen Sie großen Wert auf Live-Musik.

Das stimmt. In diesem Punkt bin ich „old fashioned“.

Im Februar nächsten Jahres werden Sie in Singen mit dem "Phantom der Oper" zu Gast sein, spielen nicht nur die Hauptrolle der Christine, sondern haben auch gemeinsam mit Jochen Sautter das Drehbuch geschrieben.

Es gibt viele Inszenierungen, die mit der wundervollen Romanvorlage von Gaston Leroux nichts mehr gemeinsam haben. Wir haben ein Musical geschaffen, welches es so bisher noch nicht gegeben hat, das nah am Original ist und bei dem das Bühnenbild, die Musik und die Schauspielerei miteinander zu einer professionellen Show verschmelzen. Auch hierbei schaffen wir mithilfe der 3-D-Animation eine perfekte Bühnenillusion, die die Zuschauer in die Katakomben, in den Ballsaal der Oper und in die Gemächer des Phantoms eintauchen lässt.

Bereits am 28. Dezember werden Sie mit der großen Andrew Lloyd Webber-Gala in der Stadthalle Singen gastieren.

Ja, die zweistündige Show zu Ehren des großartigen Komponisten beinhaltet musikalische Höhepunkte, die fast jeder kennt, aus Musicals wie "Cats", "Jesus Christ Superstar", "Evita", "Sunset Boulevard" oder "Starlight Express". Wir inszenieren die Stücke als Revue-Show mit einem 14-köpfigen Live-Orchester und Musicaldarstellern aus dem Londoner West End.

Was macht den Erfolg von Webber aus?

Ich denke das, was ich schon vorhin gesagt habe. Er ist konstant, über Jahre produktiv und bedient unterschiedliche Genres. Und letztendlich hat er eine gute Nase dafür, das zu machen, was erfolgsversprechend ist.

Was für Projekte sind in Planung?

In den Jahren 2020/2021 wird unser Ensemble mit unseren Produktionen an fast 70 Terminen am Broadway spielen. Das ist eine Auszeichnung und Ehre und darauf freue ich mich ganz besonders.

Person und Aufführungen

Deborah Sasson (*1959) wurde in Boston geboren. Sie studierte Gesang am renommierten Oberlin-Konservatorium. Ihr erstes Engagement führte sie an die Metropolitan Opera in New York. Die Sängerin war in erster Ehe mit Dirigent Michel Sasson und in zweiter Ehe mit Opernsänger Peter Hofmannverheiratet.

Aufführungen in der Stadthalle Singen: "Die große Andrew Lloyd Webber-Musical-Gala" am Freitag, 28. Dezember, um 20 Uhr, "Der kleine Prinz" am Sonntag, 4. Februar 2019, um 17 Uhr sowie "Das Phantom der Oper" am Sonntag, 10. Februar 2019, um 19 Uhr.

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Quelle: Südkurier


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