Revue für einen Theaterrequisiteur (Einpersonenstück) von Eberhard Streul und Otto Schenk in der Fassung von Walter Renneisen. Regie: Walter Renneisen Walter Renneisen Gastspiele, Bensheim
Der Wurm ist drin im Stadttheater: Die Vorstellung ist abgesagt, das Publikum ist dennoch gekommen und schaut erwartungsvoll auf die Bühne. Dort oben steht Josef Bieder, ein Requisiteur, der von der Situation überrumpelt wird. Er unterhält die Zuschauer und fachsimpelt über das Geschehen hinter den Kulissen. Er erzählt Theateranekdoten und philosophiert über Musik, Tanz und die bisweilen hakligen Rädchen im Kulturbetrieb. Bieder zelebriert seine Theaterleidenschaft und die heimliche Liebe zu seiner Auszubildenden Lini, die mit einem jüngeren davonrast.
Großes Solo für einen kleinen Requisiteur: "Die Sternstunde des Josef Bieder" von Eberhard Streul und Otto Schenk in der Fassung von Walter Renneisen.
Das Stück braucht kein Ensemble und kein Bühnenbild. Nur einen Computer, ein paar Requisiten und viele Musikinstrumente. Und eine Persönlichkeit, die alles in sich vereint: Schauspieler und Musiker, Sänger und Tänzer. Walter Renneisen. Die Sternstunde eines Theater-Besessenen Walter Renneisen hat ein Drittel des Stücks neu geschrieben und sich so die Vorlage auf den eigenen Leib geschneidert.
Die Entfernung zu Eberhard Streul und Otto Schenk zeigt sich vor allem in den zahlreichen musikalischen Einlagen, die Renneisen dramaturgisch perfekt eingefügt hat: Er spielt Kontrabass und Tuba, Trompete und Posaune, Gitarre und Dudelsack, er haut in die Tasten und stemmt sogar ein Alphorn.
Das Solo des Requisiteurs wird zum Solo eines wahren Theater-Besessenen. Er persifliert Opernsänger und Ballerinen, karikiert Intendanten und bemitleidet die Kritiker. Eine köstliche Revue in einer Scheinwelt aus künstlichem Blut und unerwiderter Liebe, nuanciert gespielt und mit einem enormen Gespür für die Großköpfigen und Fußnoten des Theaterbetriebs.
Das Stück ist eine Liebeserklärung ans Theater von einem, der mit ihm auf geradezu existenzialistische Weise verbunden ist, und gleichzeitig eine Satire auf den Irrsinn des Theaters, über den der Bieder im Rampenlicht so herrlich schön granteln darf: Mal tobende Lady Macbeth, mal sanfter Romeo, pendelt er vielseitig und einzigartig zwischen Schmollwinkel und Bühnenmitte - ein brillanter Ritt durch die Theatergeschichte und eine Sternstunde für Walter Renneisen.
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